. Sauer
und süß essen Vornehme und Geringe, und wenn man ein rechtes Vergnügen
beschreiben will, heißt es eine Tränenwonne. Die göttliche Traurigkeit, die
Reue, die niemand gereuet, ist ein Beweis, dass Freude und Leid sich verhalten,
wie Rosen und Dornen.
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    Ich fühle zwar mich und meine Kräfte in gewissen Grenzen eingeschlossen,
allein ich weiß auch, dass das Ende dieses Lebens nicht auch das Ende meiner
ganzen moralischen Existenz sei; vielmehr hoffe und glaube ich, dass, wenn gleich
mein Körper durch die Verwesung in seine ersten Teile aufgelöst und mit der
übrigen Materie vermischt wird, ich dasselbe Ich und kein Fremder fortdauern
werde.
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    Die Vernunft ist ewig. Sie ist der Sitz des göttlichen Ebenbildes, und dies
sein Bild sollte Gott der Herr vernichten?
    Glauben, im gemeinen Leben, heißt, anderer Meinungen annehmen. Tun heißt
nach seiner Überzeugung handeln.
    Verstand haben heißt, etwas verstehen.
    Leichtsinnig ist der, welcher alles leicht fasst; allein eben darum geht's
hier herein, dort hinaus. Der Pastor sagt: ich wäre leichtsinnig; allein dieser
Aufsatz selbst mag Richter sein zwischen mir und ihm. Ist denn die Saat, die der
Pastor ausgestreut, auf einen Felsen gefallen, wo, wenn es regnet, die Saat zwar
keimen, ihr Haupt emporheben, allein nicht Wurzel schlagen kann, wie solches
alles der alte Herr in Musik gesetzt hat? Ist die Saat in Rücksicht meiner auf
einen so harten Boden gefallen, dass sie keinen Eindruck gemacht, sondern den
Vogel zum gefunden Frass und dem Wanderer zum Spiel gereicht? Wie der Wanderer
sie da mit seinem Stabe aussprengt! Gehör' ich denn nicht zu den Seligen, die
Gottes Wort hören und bewahren? Ein Schwärmer bin ich nicht, der alles gierig
und heiß isst und sich total den Magen verdirbt. Er kann die Zeit nicht abwarten.
    Alles ist Geschichte in der Welt, und da kommt's freilich viel darauf an, ob
ich selbst gesehen, selbst gehört oder mir von andern erzählen lassen, was diese
andere gesehen und was sie gehört. Der hat ein Auge fürs Vergangene, der fürs
Gegenwärtige. Man sagt, einige hätten es für die Zukunft. Ich meines Orts habe
keinen von der letzten Art gekannt. Sie, Pastor, sehen das Gegenwärtige, als
stünd' alles vor Ihnen.
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    Wie lange kann es mit uns währen? So alt oder älter. Wir sind nicht von
dannen, sondern warten auf unseres Leibes Erlösung.
    Solang' ich hoffe, leb' ich, so lang' ich seufze, hoff' ich. Ich bin der
festen Zuversicht, dass mein Tod mich nicht aus der Fassung bringen werde. Jetzt,
