, und unter dem Auge des gütigsten, allein auch
gerechtesten Vaters stehe, der mir das Vaterteil noch vorbehalten hat.
    Ich glaube, das heißt, wenn tausend Schwarz- und Weisskünstler und
Klugheitsgaukler auch kämen und sprächen: es ist kein Gott! so müssten und
könnten mich doch diese Sprünge durch den Reif aus diesen Verhältnissen nicht
herauslügen und trügen, da schon die Wahrscheinlichkeit, selbst die Möglichkeit,
dass er sei, und der eben hieraus fliessende Glaube an ihn hinreichend ist, mich
in den Verhältnissen als Kind, als Bruder, als Herr zu erhalten und zur
strengsten Erfüllung der hiermit verbundenen Pflichten zu bringen.
    So erkläre ich mir den Glauben, von welchem vielfältig in der Bibel geredet
wird. Eine vollständige demonstrirte Gewissheit von dem Dasein des Unvollkommenen
würde mehr schaben als nützen, so wie die Gewissheit von meinem Tode; wenigstens
ist mir die Demonstration von der Existenz Gottes nicht notwendig, und ein
lebendiger Glaube ist, die Sache genau genommen, mehr als eine Demonstration.
Einen lebendigen Glauben nenne ich, der durchs Leben tätig ist; denn der
Glaube, wenn er nicht Werke hat, ist er tot an ihm selbst, wie die meisten
Bücher, die nicht Gottesmenschen geschrieben haben, tot an ihnen selbst sind.
Die Menschen müssen nie von Gott reden, ohne dass sie an ihre Pflichten gegen
ihre Mitmenschen denken. Gott ist in allem und durch alles. In ihm leben, weben
und sind wir. Er, der Originalgeist, der Geist im Ganzen. Die Natur ist die
Seele.
    Von Gott, dem unendlich moralischen Wesen, kommt alles her. Er ist, wie oben
gemeldet, die Moral in origine. Die Schöpfung ist ein hingestellter göttlicher
Gedanke, ein Buch Gottes! Bei uns sind die Gedanken Wasserblasen; beim lieben
Gott eine Welt! - Dies All verkündigt das Dasein Gottes, und es gehört nicht
Schulweisheit dazu, sondern bloß menschliches Gefühl, die Macht und Güte Gottes
wahrzunehmen: und dies: Er ist, zu verstehen. Würde der Verstand selbst den Kopf
schütteln, das Herz spräche doch Ja. Der Gedanke, es ist ein Gott, ist der
Anfänger aller bildlichen Poesie! Was schadet es also, ihr Herren Sophisten, dass
man Flügel der Morgenröte nimmt, wenn man von Gott spricht!
    Alles versteht sich in der Natur, und diese Übereinstimmung, diese
Mitwirkung aller moralischen und physikalischen Kräfte, dieses Sichtbaren und
Unsichtbaren in der Natur, sind die unbescholtensten Zeugen der göttlichen
Weisheit. Was schadet die anscheinende Unregelmässigkeit? Ist sie es? Und wenn
sie es in meinem Wirkungskreise ist, kann dieser Misslaut nicht ein feiner
Triller im Ganzen sein? - Der Pastor redet so von der Harmonie der Sphären, als
hätte er diese Geistermusik gelernt, die anders
