 also ist auch Gott der Herr. Es sind gewisse
Geheimnisse, welche die Natur, obschon der Kunst viel verraten worden, doch für
sich behält, und dahin gehört die Kinderzucht. Man wird in dieses Geheimnis
allein durch die Vaterschaft initiiret. Ich glaub' es steif und fest, dass jeder
Vater, wär's gleich ein Bürstenbinder, und jede Mutter, wär's gleich eine
Bürstenbinderin, ihre Kinder erziehen können, und es also nicht nötig haben,
andern Unterricht für die kleinen Bürstenbinderchen in einem öffentlichen Laden
zu kaufen. Wie sollte wohl die Natur so ungerecht sein, das Grössere zu geben und
das Kleinere zu versagen? Du weißt, Alexander, was dein Vetter, der große Summus
Alexander (an diese Vetterschaft hatte er lange nicht gedacht) seinem Lehrer,
dem Summus Aristoteles für ein Kompliment machte, im rechten Sinne ein
Kompliment: er hätte ihm mehr als seinem Vater Philipp zu danken. Sobald
Alexander bleiben wollte, was sein Vater war, hatte er Unrecht. Wollte er aber
die Grenzen seines Reichs erweitern, und nicht Bürstenbinder bleiben, setzte
meine Mutter hinzu, hatte er Recht. Da liegt der Grund von dem Leben der
Erziehung. Der Vater, der aus seinem Sohne mehr machen will, als er selbst ist,
muss freilich einen andern Weg einschlagen. Indessen sollte dieser andere Weg
keinem Vater verstattet sein, der nicht Alexanders zu Kindern und Aristoteles zu
Lehrern aufweisen könnte. In diesem Falle müsste, aller Beispiele vom Gegenteile
ungeachtet, die Jugend, die Gnadenzeit, der Morgen nicht versäumt werden.
    Der Staat braucht viel Hände, aber wenig Köpfe. Ein politischer Kannengiesser
ist ein schlechter Kannengiesser und ein schlechter Bürgermeister; die Kenntnisse
des gemeinen Mannes müssen bei der Hand bleiben und nicht bis zum Kopfe kommen.
Wer dem Menschen das Denken nehmen will, setzt ihn herab. Denken kannst du, du
kannst denken, das Grübeln, das Weiterhinausdenken als vier und zwanzig Stunden,
zwölf in die Länge und zwölf in die Breite, ist dem Menschen schädlich, und
Tinte und Feder, Papier und Presse sind eben solche Verheerer des menschlichen
Geschlechts, als Bomben, Kartätschen und Pulver und Schrot und Büchsen und
Säbel.
    Mein lieber Vater war über diesen Gegenstand ein Verschwender, er gab
ungezählt - ich will bedachtsamer zu Werke schreiten und mit geiziger Kürze nur
etwas von seinen Grundsätzen ausgeben. Der Himmel gebe, dass es lauter seltene
Schaustücke wären, ich würde sie meinen Lesern herzlich gönnen.
    Dass jeder Kinderlehrer verheiratet sein müsse, wissen wir schon. Man hat,
sagt' er, lange auf Verbesserung der niederen Schulen gedacht, und freilich
müssen diese eher verbessert werden, als hohe, wo du, mein Sohn, dein Heil
versuchen sollst; allein man sollte
