 Weltalter, wann wird
es kommen? Wann die leibliche Teokratie, wann die geistliche das Reich der
Gnaden und der Herrlichkeit? Amen! Komm du schöne Freudenkrone! singt meine
Frau.
    Dies ist das Paradies aus Grundsätzen, das sich der Mensch selbst bauen
kann.
    Denkt man sich aber einen verwilderten Naturmenschen, der gewiss in keinem
Paradiese sein wird, wenn es ihm nicht ein anderer gebaut hat, so kann er
freilich Herr der Tiere sein; allein wenn er seines Gleichen sieht, denen er
die nämliche Vernunft, die nämliche Quelle zu Zwangsmitteln ansieht, so flieht
er. Hobbes hat dem ungeachtet Recht, wenn er behauptet, dass der natürliche
Mensch den Begriff von Botmässigkeit und Herrschsucht in sich trägt.
Herrschsucht, Tyrannei und Furcht sind sich so nahe verwandt, als möglich. Ein
Grad mehr Furcht am andern zu erblicken, macht den Wilden nachdenkend. Jener
läuft, dieser verfolgt ihn; jener verkriecht sich, dieser spürt ihm nach.
Freilich, wenn sich jener umsehen, nur umsehen, nur hervorblicken möchte, würde
dieser umkehren; allein da jener sich nicht umsieht, da er nicht hervorblickt,
so wird dieser sein Meister. Aus Furcht wird er ihn beherrschen, damit er sich
nicht mehr vor ihm fürchten dürfe. Im wilden Naturstande müsste man also den
Herrn bloß als ganzen Menschen, die Untertanen aber als verstümmelt, blind,
krumm und lahm sehen. Mit der Zeit würde sich der Mensch besser kennen lernen;
es würde dem herrschenden Scharfrichter leid tun, dass er diesem die Hand, jenem
das Bein gelähmt, und man würde sich in Verbindungen mit einander setzen. Wenn
sich gleich beim Anfange ein paar Warmherzige begegnen, sollte nicht, ohne den
Weg durchs Hospital zu gehen, eine Gesellschaft zu Stande kommen? - - Der Stand
der Natur ist ein Stand des Kriegs; allein der polizirte Staat ist es auch, bis
wir zum Stande der Gnaden, zu allgemeinen Weltgesetzen kommen, welches der
Vorhof zum Reiche Gottes im eigentlichsten Sinne ist. (Ich habe so manches
Lobopfer ausgelassen, welches bei dieser Gelegenheit dem monarchischen Staate
gebracht ward; indessen fand auch Hr. v. G -, der Freund und Feind meines
Vaters, seine Rechnung bei dieser Deduktion.) Die Hauptfrage blieb mir: bringt
die Monarchie oder die Freiheit am nächsten zum Reiche, oder, wie Herr v. G - es
wollte, zum Stande der Gnaden? - Im Naturstande denkt der Mensch darum nicht an
Gesetze, weil er gar nichts denkt. Sich zu erhalten, sich fortzupflanzen, das
würde das einzige sein, was ihm auffallen und was ihn beschäftigen könnte. Es
liegt alles in uns! Allein dieser Nähe unerachtet, wer würde es finden, wer es
nur suchen? Tausend und
