, zu Früchten kam es mit ihm nicht, er fiel als Blüte
ab. Schade! Er war allein und durfte sich vor keinem fürchten, und konnte jede
Kreatur durch Vernunft beherrschen.
    Man kann sich einzelne Menschen denken ohne Gesetze, ohne Zäune, wie Götter
auf Erden unter einander herumwandeln. Die Welt ist groß für alle; niemand darf
dem andern vorbauen, zu solch einem Stande hat Gott den Menschen angelegt;
allein dem Menschen fiel das Mein und Dein ein, wovon er erst nicht wusste; jetzt
wird sein Stand ein wahrer Stand der Sünden, wissentlicher und unwissentlicher
Schwachheits- und Bosheitssünden. Diese Erde, diese Menschenwelt, das läugnet
niemand, ist jetzt noch in der Kindheit, hie und da ein Kopf. Eine Schwalbe aber
macht keinen Sommer. Ich kann mir aber denken, dass der Mensch wieder
zurückkommen werde, und zwar aus Grundsätzen zurückkommen werde, wo er ausging,
dass zuletzt wieder die Welt ein Paradies sein und jeder Mann Adam, und jedes
Weib seine Rippe sein werde. Das tausendjährige Reich, wovon so viele träumen,
liegt sehr verworren in diesem Gedanken, sehr verworren! kein Stein auf dem
andern. Meine Beruhigung ist, dass alles, was möglich ist, auch wirklich sei oder
werde. Warum wär' es sonst möglich? Die Gelehrten haben sich oft gestritten, ob
der Mensch gesellig oder ungesellig sei? So oft die Gelehrten sich gleich
vergebens gestritten, so ist doch diese Frage keine vergebliche. Jeder Mensch
sucht selbst im Staat sich zu befreien; es ist seine Herzenslust, wenn er sich
nur einigermaßen in Freiheit setzen kann. Jeder kluge Gesetzgeber muss gewisse
Fälle dem Menschen anheimstellen, wo er frei sein kann; sonst würde er
zuverlässig auch den menschenfreundlichsten Landesherrn Tyrann heißen, und sich
sein Joch abschütteln, so sanft, so wohlmeinend es ist. Dagegen würde der Mensch
den größten Tyrannen ertragen, wenn er ihn nur hie und da im Freien ließe.
Monarchen, die Religionsfreiheit einführen, können immer Zoll und Accise höher
stellen. Der Geiz, der Sammlungstrieb, gehört auf diese Rechnung. Man ist ein
Sklave, um einst frei zu werden; man dient als Soldat, um nicht als Bürger zu
gehorchen; man ist Ehemann, man ist ein Sklave, um zu glauben, man sei frei.
Selbst dieser so ausgeartete Trieb führt, oder könnte uns auf den Punkt führen,
den Christus angab: er sei bei uns alle Tage bis an der Welt Ende; zu einer
Teokratie, wo jeder dem andern lässt, was er hat, wo im erhabensten Sinn jeder
für sich und Gott für uns alle ist; wo wir nicht messen und wägen, wo alles in
den Tag hinein lebt. - Diese güldene Zeit, dieses mannbare
