ehemals Nachbarn, jetzt fast völlig aus der Gemeinschaft gesetzt) unter
Gesetzen machen, können sehr einfach werden, wenn nur nicht das Leichteste in
der Welt dem Menschen so überschwenglich schwer würde. Es gibt eigentlich nur
Naturgesetze, oder solche, welche aus der menschlichen Natur fasslich sind. Zwar
haben auch Gesellschaften, Völker, Staaten Gesetze, die außer dieser Grenze zu
liegen scheinen; allein wenn diese Gesetze anders, als aus der Natur des
Menschen erklärt werden, so sind es nicht Gesetze, sondern Unmenschlichkeiten,
es sind Landplagen, ärger als Frösche, Heuschrecken. - Und auch ärger, als wenn
die menschliche Erstgeburt unter die Soldaten genommen wird, fiel Herr v. G. bei
dieser Gelegenheit ein.
    Mein Vater hielt ein wenig an, und fuhr fort, ohne zu antworten: Der Mensch
ist ein geselliges Tier, es ist nicht gut, dass er allein sei. Die Menschen
werden nur Menschen, und können sich als Menschen zeigen, wenn sie in
Gesellschaft treten. »Einer ist keiner, ein Mensch ist kein Mensch,« würde meine
Frau sagen; Ein Mensch aber ist kein guter Mensch. Nicht der Müßiggang, sondern
die Einsamkeit ist die Mutter alles Bösen. Es ist indessen Grund und Folge;
allein sein und müßig sein, ist ziemlich einerlei. Große Erfindungen selbst sind
in Gesellschaft gemacht; alle Künstelei in der Einsamkeit. Gott allein ist
Einer; hier gilt nicht, Eins ist keins. Der Verstand und der Wille eines
einzelnen Menschen scheinen nicht zuzureichen, ein vollständiges menschliches
Sein auszudrücken; der Pluralis vom Verstand und Willen ist erforderlich, wenn
der Mensch was auszurichten im Stande sein soll. Der Staat ist der Mensch im
Plurali; im Plurali indessen gilt eben das, was im Singulari gilt. Der Staat ist
der vollkommenste, der die meisten Menschen hat, die wie Einer scheinen. Je
volkreicher ein Land ist, je mehr scheint es sich dieser Probe eines
wohleingerichteten Staates zu nähern. In Staaten, hab' ich gesagt, müssen auch
die Gesetze aus der Natur erklärt werden, falls sie nicht ägyptische Plagen sein
sollen, und wenn ich hinzufüge, dass es Natur aus der ersten und Natur aus der
zweiten Hand gäbe, so hab' ich mich näher bestimmt. Im Naturzustande, wo sich
der Mensch ganz allein denkt, im Paradiese, ist er zwar ein Gott der Erde;
allein so lange er so denkt, wie Adam und die zeitigen Adamskinder, wird er
gewiss vom verbotenen Baume essen, und bei der Mühe und Arbeit und dem Schweiß
seines Angesichts, mit dem er sein Brod isst, sich weniger bedauern, als in der
Einsamkeit, wo der Müßiggang ihm eigen ist, wo er vielleicht länger lebt, und
ohne viel Schmerz einschlummert
