 es aller
Wahrscheinlichkeit nach werden würde. Mag! ist doch Freiheit da, kann doch hier
jeder Edelmann dem Regenten ins Gesicht sagen. Der Bucephalus ließ zwar den
Alexander aufsitzen, allein ohne Zaum, den litt Bucephalus nicht! Wenn ich
Edelmann wäre, erwiderte mein Vater, ich weiß nicht, ob ich gern Bucephalus
heißen würde. Nicht? sagte Herr v. G., und doch war Bucephalus ein Curländer. -
Bei weitem nicht, erwiderte mein Vater.
    Mein Vater war ein Bienenfreund und Herr v. G. trieb seine
Monarchenfeindseligkeit so weit, dass er sogar keine Bienen hielt, weil sie einen
monarchischen Staat machten; dagegen liebte er Ameisen, von denen er behauptete,
dass sie in der Freiheit lebten. Ist denn der Honig nicht süß? sagte mein Vater.
Kostet er denn nicht den besten Saft den Blumen? erwiderte Herr v. G. Ist es
nicht gesammelter Zoll und Accise, und wird nicht Zoll und Accise noch obenein
mit einem widerlichen Gesumse genommen? Mich dünkt immer, ich höre die Bienen
sumsen: Wir von Gottes Gnaden. Freilich ist die Biene militärisch, hat ihr
Schwert bei sich, sticht; - allein wenn sie gestochen, wenn sie Krieg geführt
hat, ist sie auch so matt und elend. - Und wenn uns die Ameisen bekriechen? fiel
mein Vater ein. So schüttelt man sie ab. - Die hässlichen Tiere! - Sind
Curländer, sagte Herr v. G. Könnte sein, mein Vater.
    Staat ist ein so notdringliches Mittel, den Menschen glücklich zu machen,
dass man ohne dies Mittel zu keinem Zweck kommen kann. Alles führt zum Staat,
untere und obere Seelenkräfte, Seele und Leib, Bedürfnis und Leidenschaft,
Hospital und Schauspielhaus. Die bürgerliche Gesellschaft ist auch eben darum
sogar für Naturzweck von etlichen gehalten. Staat ist freilich Kunst, allein
diese Kunst besteht aus zusammengesetzter Natur - und muss denn der Staat eben
Monarchie sein?
    Ist nicht nur ein Gott? und wird nicht eher lieber Ein Gott der Erden dem
Original weichen, sobald das Volk sich ans Unsichtbare gewöhnen lernt, als an so
viele Götter?
    Doch warum in spitzfindigen Reden und Antworten; ich will versuchen, meinen
Vater in Eins zu bringen, und was stückweise über den monarchischen Staat
vorfiel, in einen Ausbund vom Ganzen zu ziehen.
    In der Vernunft, womit der Mensch ausgestattet ist, liegt Freiheit und
Regel. Der Mensch ist frei, das heißt: der Mensch kann tun und lassen, kann
wollen; der Mensch ist an eine Regel gebunden, das heißt: seine Willkür hängt
vom Gesetz ab. Er hat Verstand; Verstand und Wille zusammengenommen könnte man
die Vernunft heißen. Alle die Unterschiede, welche die Philosophen und Juristen
(
