 Engeln unerschöpflich geworden. Der Spruch, erste Korinter im eilften
Kapitel der zehnte Vers: Das Weib soll eine Macht auf dem Haupte haben, um der
Engel willen, war ein Text, worüber sie sich ausliess, wiewohl ohne ihn zu
zeichnen. Sie zeichnete jetzt überhaupt keine Spruchstellen mehr. Da sie
indessen, auch selbst als Prophetin, ortodox blieb, und die Kinder, so man zu
ihr brachte, nur zweigliedrig segnete: so blieb es bei der gewöhnlichen
Erklärung, nach welcher Haube das Gegenteil von Hut anzeigt. Dieser deutet
Freiheit an, jener Unterwerfung unter den Willen des Mannes, und sollen also die
Weiber Schleierhauben tragen, um die Engel durch Gelegenheit zur Untreue nicht
zu betrüben. Die gute Predigerwittwe fand diese Erklärung so überschwenglich,
dass ich ihr zum Andenken sie hier einrücke! Wie mag diese Spruchstelle doch ihr
Ehegatte seliger erklärt haben? Vermutlich legte er sie durch heidnische
Aufpasser in den Versammlungen der Christen aus.
    Die Engel sind die treuesten Geschöpfe, die Gott geschaffen hat, sie sind
rein und selig.
    Die Auslegung, dass die Weiber darum Hauben zu tragen angewiesen worden,
damit sie die Engel nicht ansehen möchten, um sie zu begehren, war meiner Mutter
ein Stein des Anstoßes. - - Sie überlegte alles mit ihrem Schutzengel, und war
so sehr der Meinung, dass jedem Menschen ein Gefährte zugeordnet wäre, der ihn in
der Jugend und im Alter begleite, dass sie nichts davon abwenden konnte. In den
Jahren, sagte sie, wenn der Mensch im eigentlichen Sinne Mensch ist, wie selten
ist er da eines Engels wert? Die Engel sind nicht unsere Diener, wiewohl
etliche des Dafürhaltens gewesen, sondern unsere Vormünder, unsere Curatores.
Wie muss es sie verdrießen, dass eine Gestalt, die der erste Adam und der zweite
Adam getragen, so vernachlässigt wird! Aus der göttlichen Uniform, o! was ist
aus ihr worden! Die Engel lernen von uns die Auswicklung eines Geistes, den
Einfluss des Geistes auf den Körper, und dieses auf jenen! Sie sehen, was es mit
einem sublunarischen Körper für eine Bewandtnis habe, und wie er einem Geiste
steht. Sie sehen die Ungemächlichkeiten, die ein Eigentum vor einer Miete, die
ein eigenes Haus vor einem geheuerten hatte. - O was ist vom Menschen zu lernen!
Vielleicht ist in ihm aus jedem Hauptweltstück etwas! - Er ist die Welt im
Register! Man kann sie bei ihm nachschlagen - und wenn er stirbt, welcher neue
Unterricht! Die Trennung, das Überbleibsel außer der Seele, das Hemde vom
Menschen, von köstlicher Leinwand. - Wir sind also, ihrer Vormundschaft
unbeschadet, ihre Lehrer! Hier sind wir Engel und Menschen in einer Person! Wer
sagt, dass wir sterben
