 alle faul von
Natur und brauchen Leidenschaftenvorspann, um weiter zu kommen!
    König! Wo kommt's her? Von können? Kung, wie du weißt, heißt im Lettischen
Herr. Nicht, als ob meine Achtung für Könige eine Folge von der Meinung wäre,
die ich für die Person selbst habe. Meine Achtung ist so rein nicht, als ein
matematisches Problem; du kannst es nicht vergessen haben, dass ich von jeher
des Dafürhaltens gewesen, der monarchische Staat würde uns in mancherlei
Hinsicht zum Reiche Gottes führen. Wilde Bäume haben Stacheln, Ungezähmte Tiere
fallen den Menschen, ihren Herrn an. Und lehrt's nicht die tägliche Erfahrung,
dass sich ein freier Staat sehr bald in kleine, fingerlange Königreiche
zergliedert? Hier und dort und da fängt sich ein Mensch zu verbreiten an! Da
geht's ihm denn freilich wie dem menschlichen Körper, der, wenn er in gewisse
Jahre kommt, an Größe, in der Breite, mit dem Verlust der Kräfte und
Wirksamkeit, zunimmt. Das Ganze leidet bei solchen Kleinkönigen; die Beilage
hiezu ist Kurland und Semgallen. Man lobsingt dem Alten, weil man im Wahn steht:
die Natur brauche sich ab, werde alt! - Nicht also; noch heute kann Eden werden,
im Gedicht und im Original.
    Ich nehme dem Könige Friedrich seine Schatzkammer nicht übel. Wo eine
Qualität ist, da lass ich auch eine Quantität gelten. Das Geld ist beim
Privatmann ein schönes Piedestal, und ein König, der so wie er denkt, muss
entweder alle Augenblicke Schätzungen ausschreiben, oder es machen, wie
Friedrich - was ist besser?
    Die Farbe des Verdienstes ist die Farbe der Schamröte, so, dass auch alle
rote Farbe von ihr ein fast allgemeines Ansehen erhalten hat. Sie ist von ihr
ins Geschrei gebracht. Purpur ist die Schamröte auf einer braunen Wange! -
Unser guter Hermann reißt beim letzten Vers des Liedes alle Züge seines
Positives auf, und die gewöhnlichen Redner und Schreiber suchen mit einem
epigrammatischen Gedanken zu schließen. Mich schmerzt so was. Stich ist Stich. -
Dein Brief schließt B.R.W. mit dem alten Vale! Vale!
    Über das Spiel hättest du mehr schreiben sollen. Es scheint mir
wechselseitige Abmachung, interessiert sein zu können. Eigennutz und alles und
jedes, wo das Wort eigen vorkommt, ist aus dem Stammhause Eigenliebe. Wer kann
indessen in einer guten Gesellschaft einen Menschen ausstehen, der ohne End und
Ziel von sich selbst spricht; es wäre denn, dass er sein überstandenes Unglück
erzählt. Eben so ist ein Eigennütziger ein Gräuel im Umgange. Das Spiel scheint
erfunden zu sehen, den menschlichen Neigungen, die man durch Lebensart zu
unterdrücken verbunden ist, zu Hilfe zu
