 sie zu besitzen. Es war mithin
alles im Geist. Wahrlich, unsere Liebe war Geist zu Geist, war himmlisch, war
auserwählt. - Ich wallfahrtete, so oft ich konnte, auf alle Kirchhöfe,
christliche und unchristliche, und las mir einen aus, wo ich s Andenken
stiften wollte. Diesen fand ich an einer Kirche, die man die Rossgärtsche nennt.
    Der Tod, Freunde, ist natürlich fürchterlich! Der Denker, der sein eigen
Licht hat, und der gemeine Geist, der sein Licht von der Sonne borgt, müssen
gleicher Weise ihre Zuflucht zur Kunst nehmen, um den Tod sich leidlich
vorzustellen, und da kommt es mit auf die Örter an, wo man uns hinbringt.
    Gewölbe, sind das nicht Örter, wo einem angst und bange wird? Der Moder,
der Todtengeruch, womit wir unsere Kirchen verpesten, wie schrecklich zieht er
dahin und daher, wenn er eingemauert wird? Bringt den Toten in die freie Luft,
er ist lebendig. - Schliesst den Gesundesten ein, er verweset.
    Meine Kirchhofsidee fand ich auf dem Rossgärtschen Kirchhofe am gründlichsten
in ganz Königsberg ausgeführt.
    Ein vortrefflicher grüner Platz, mit Bäumen unordentlich besetzt, zuweilen
viere nicht weit von einander, und unter ihnen ein Grab, das sie bedecken,
zuweilen ganze Stellen als ein Wald, und dann ein Monument, wie verloren, nicht
nach Regeln der Kunst, sondern schlechtweg gearbeitet. - Ein lebendiger Zaun
unterscheidet einen kleineren Kirchhofsteil vom größeren. - So vortreffliches
Grasgrün auf diesem eingeschlossenen Platze, dass man sich das Auge daran stärken
kann. Vielleicht wird hier das Taufwasser ausgegossen. Die andere Seite dieser
Kirchhofsparentese geht nach dem Wasser. Dieser Einschluss, dieser Kirchhof im
Kirchhof, dieser Status in Statu nimmt die Gebeine der verstorbenen Herrnhuter
an Kindesstatt an, die nach dem sehr präcisen herrnhutischen Kunstworte, das
auch dem Grafen v. - eigen war, nicht sterben, sondern heimgehen. Da ich nach
meines Vaters Weise bei allen dergleichen Dingen durch die große Pforte zu gehen
gewohnt war, so blieb ich auch mit meiner Mine auf dem unverzäunten
Hauptkirchhofe. O hier ist gut sein! Man kann sich auf diesem Kirchhofe kaum des
Gedankens erwehren, dass die Abgeschiedenen hier im Mondenschein sich regen und
bewegen, wie meine Mutter sich ausdrücken würde.
    Der Totengräber dieses Sprengels wohnt unweit dem Kirchhofe, sein
Hauptfenster geht hinein. Da er mich unfehlbar mit einem Gesichte, worauf Tod
und Begräbnis deutlich zu lesen war, herumwanken und Stelle und Ort suchen sah,
kam er mit einer eisernen Stange zum Vorschein und fragte mich, was mein
Begehren sei? Die eiserne Stange diente ihm beim Grabmachen, um zu versuchen, ob
auch tief genug, ohne einem frischen Sarge zu nahe zu kommen, gegraben werden
