 Gott allein ist weise! Was aber unsern Beweis betrifft, so führen wir
ihn menschlich. Unser Beweis ist vernünftige, lautere Milch und Erfahrung.
    Wie ist der Mensch auf Gott, Geist und Ewigkeit gekommen, wenn sie nicht
wären? Der Mensch ist groß und klein; er zähmt Löwen, verkauft Wallfische und
wird von einer Schlange getötet.
    Zweifler! ich soll beweisen, dass ein Gott sei? Beweise mir erst, dass er
nicht ist. Wie kann man Tatsachen beweisen? Wie kann ein Sohn beweisen, dass
Dieser oder Jener sein Vater ist?
    Es geht in der Welt über und über, und wie könnte das, wenn Gott, der Herr
derselben, König wäre? Ei, Lieber, wenn Gott sein Bild dem Menschen anhing, wenn
er ihm Verstand und Willen gab, wer hat Schuld an dieser Unordnung?
    Jeder Mensch hat so etwas bei sich, was Ja oder Nein bei allen Dingen sagt,
sie mögen Wissen oder Tun, Rat oder Tat betreffen. Es gibt so gut ein
Verstandes- als ein Willensgewissen. Ist euch das zu hoch? euch zu hoch, die ihr
den Gang Gottes in der Natur, das Kommen einer jeden Pflanze in ihrem sanften
Tritt beschleicht? Ihr solltet euer eigenes Erdreich nicht kennen?
    Es gibt baare Kenntnisse und Kenntnisse auf Verfalltage. Das Christentum
hat von beiden sein Teil. Die wichtigsten Artikel können durchs Leben bewiesen
werden. - Ich lebe, sagt Christus, und ihr sollt auch leben.
    Ich weiß eure Einwendungen, ihr Weisen der Welt.
    Das Christentum, sagt ihr, habe den Mut gehemmt, froh zu leben und froh zu
sterben; es lehre, dass nur wenig Auserwählte sein werden. Allein was ist besser,
seine Seligkeit schaffen mit Furcht und Zittern, oder wider besser Wissen und
Gewissen handeln? Es ist ein Aufwaschen, bringt ihr Leichtsinnige bei; allein
seid ihr schon von eurem Gewissen je in Anspruch genommen? Seid ihr schon in der
Tinte gewesen? Glaubt ihr denn, dass das Auge, welches seinem Nächsten nach Leib
und Leben stand, mit einer Träne der Reue abgewaschen werden könne?
    Wenn die reine Vernunft lehrt, sich so zu führen, dass, wenn ein Gott und
eine Ewigkeit wäre, wir seine Kinder und die Erben des Himmels zu sein das Recht
hätten, so lehrt sie uns etwas Übermenschliches. - Sobald wir zweifeln,
Freunde, so bricht die Sinnlichkeit Tür und Tor, schlägt alle Schlösser auf
und findet im Zweifel so viel Unterstützung, dass alles über und über geht. Ja,
wenn der Mensch fünfzig Jahre alt und des Tages Last und Hitze der Sinnlichkeit
getragen hat, dann, Freunde, könnte diese Lehre weniger gefährlich sein.
    Und doch ist sie gerade zuwider der
