 vor
den Blicken der Welt verbergen; allein der Furcht, verraten und verkauft zu
werden, wer kann der auf Flügeln der Morgenröte entfliehen? Und wenn wir der
Welt entkommen, sind wir uns selbst entflohen? Der Hauszeuge ist in den
Gerichtshöfen verdächtig; allein das Gewissen ist unbestechbar und so erhaben,
dass man ihm auch nichts einmal anzubieten wagt. Verschliesse dich wie du willst,
das Gewissen begleitet dich; es schläft und schlummert nicht, es geht nicht über
Feld, und was das ärgste ist - es hat ein göttliches Gedächtnis. Das Gewissen
ist Gottes Unterrichter, es eröffnet dir in jeder dir selbst gelassenen Stunde,
du seist ein ungerechter Haushalter; du hättest mehr tun sollen, weil du mehr
tun können; du hättest gesündigt im Himmel und vor ihm und wärest nicht wert
der göttlichen Natur, nicht wert ein Mensch zu sein. Schäme dich, sagt es dann,
und sammelt feurige Kohlen auf dein Haupt. Wohl dem, der diese Kohlen zum
Fegefeuer anfacht! Wohl dem, der zu dieser seiner Zeit bedenket, was zu seinem
Frieden dient, und dass er in eine Gegend gehe, wo er nicht mehr mit seinem
Bruder auf dem Wege ist und wo es angeschrieben steht: Du kannst hinfort nicht
mehr Haushalter sein. Was nun?
    Die meisten Handlungen, Freunde, sind darum gut, weil man sie sich viel
böser denken kann. So wird das Spiel als eine erlaubte Sache gepriesen, weil es
besser als Schmähsucht und Zungentodtschlag ist. Priester und Leviten der
Vernunstreligion stehen mit Lebensbalsam, mit Gewissenskühlungen, mit
Herzstärkungen aus; allein wenn's zum Sterben geht, hilft kein Seelenkraut und
Pflaster, das Wort Gottes allein heilet. - Jeder unrichtige Gedanke, jedes
unnütze Wort ist verantwortlich. Wie schrecklich wahr ist dies Gesetz der sich
selbst gelassenen Vernunft! Wo fliehet sie hin in diesen Seelennöten?
    Wohl mir, dass ich ein Christ bin! Wenn ich alles getan habe, was ich zu
tun schuldig war und was ich nur tun konnte, bin ich zwar noch immer ein
unnützer Knecht, dem noch viel fehlt; allein welch ein Trost für mich im Leben
und Sterben, dass Christus lebte und starb! Er hat Gott, dem Schöpfer der
Menschen, im Leben und im Sterben den ganzen Wert der Menschheit in hoher
Person gezeigt; er hat ihn uns dargestellt, und wenn, nach dem äußersten
Bestreben, zu werden, wie Jesus Christus auch war, Unvollkommenheiten vorfallen,
bitten wir Gott, dass er nicht uns, sondern die Essenz der Menschheit, das Ideal
menschlicher Tugenden, anschaue, und in ihm, in diesem großen Muster, uns
sündige Geschöpfe; und dass er uns gnädig sei und barmherzig und von großer Güte
und Treue.
    Der Mensch
