, was drin steht?
Du hast nur - eine Kleinigkeit - nicht das Buch selbst geschrieben. Du hast
nichts gelernt, sondern nur mit diesem Buch Feuer in deiner Seele angefacht.
    Mein Vater nahm Gelegenheit diese Sätze auf Vernunft und Religion
anzuwenden.
    Aber die Sprachen, sagte ich, lieber Vater?
    Nur eine ist da, und keinem wird ein Wort fehlen. Sieh! wie fein und
lieblich ist's, wenn Brüder einträchtlich bei einander wohnen, wird's von
Gedanken und von Worten heißen. Es werden Zwillinge sein, wie Nachbarskinder
werden sie zusammenhalten.
    Hier, fuhr er fort, lernen wir Sprachen, um mit der Natur umgehen zu können.
Wir wollen uns ihr gern bequemen, und da ihre Hofsprache unbekannt ist, halten
wir viele Sprachen in Bereitschaft, und kommen, da kein Mensch mehr als Eine
Sprache recht wissen kann, mit einem Frachtwagen voll Grammatiken und
Wörterbüchern, um bei der Königin Natur, mit Beihilfe dieser Dolmetscher,
Audienz zu haben!
    Die Natur versteht, wie Gott der Herr, eben so gut deutsch, als griechisch
und lateinisch; auch sie will nicht mit Worten, sondern im Geiste und in der
Wahrheit verehrt sein. Eine Sprache ist der Hauptstuhl, das eigentliche Kapital,
die andern sind die Zinsen.
    In dieser Welt sprachst du mit Gott deutsch. Jachnis spricht lettisch mit
ihm. Wenn ein Deutscher französisch betet, lässt er sich vom lieben Gott
französische Vocabeln überhören. Die letzten Worte sind alle in der
Muttersprache, auch die letzten Seufzer so. Da kommt gemeinhin alles an Stell'
und Ort. Man sagt sogar, dass sich das ganze Gesicht im Sterben verändere und der
Hofmann wie ein anderer Mensch aussehe, und der Kain ohne Zeichen da läge, alles
in Gottes Gewalt.
    Zu jeder Sprache, das weißt du, lieber Junge, denn du hast außer der
commandirenden deutschen mehr als eine, gehört eine andere Zunge und ein anderer
Mensch. Von der in der andern Welt lässt sich, glaube ich, kein einzig Wort, auch
nicht einmal lieber Gott, mit einer Menschenzunge aussprechen. Da fehlt's am R,
am H, am L, und an jedem Buchstaben. Eine Engelzunge ist uns vonnöten.
    Meine Mutter sang mitten unter dieser Predigt, da mein Vater Atem holte:
Wie herrlich ist die neue Welt,
Die Gott den Frommen vorbehält!
Kein Mensch kann sie erwerben.
Doch ist zu jener Herrlichkeit
Auch ihm die Stätte zubereit,
Herr! hilf sie ihm ererben.
Einen
Kleinen
Schall von jenen
Freudentönen
Schenk dem Schwachen,
Ihm den Abschied leicht zu machen.
    Mein Vater lehrte mich nachdrücklich das Irdische, das Hinfällige, das
Hektische in dem größten Teile der menschlichen Kenntnis, und da er nur ein
