 als dass zweimal zwei vier
ist, als wären wir wie die Christen bis in den Himmel entzückt gewesen. Denn
fragt euch selbst, Freunde, wenn auch euer Mut an der andern Welt zweifelt, um
eure Kunst in Zweifeln zu zeigen; als ob's Kunst zu zweifeln wäre? Was sagt euch
euer Herz? - Will ich denn, dass ihr einen Riss von der Stadt Gottes, vom
himmlischen Jerusalem entwerfen sollt? Es ist mir genug, wenn ihr nur alle
menschenmögliche Wahrscheinlichkeit für die andere Welt findet.
    So gut leben, dass, wenn eine andere Welt, schön wie die Sonne, aufgeht,
unser Bürgerrecht in derselben gewisser, wie Brief und Siegel ist, das heißt mit
andern Worten: der andern Welt würdig sein. - Je besser der Acker, desto mehr
Unkraut. - Vorwitz ist unechtes Kind des menschlichen Verstandes, eine Anlage
zur Vorschnelligkeit, eine Krankheit des Scharfsinns, ein helles Glöckchen in
der Torheitskappe. Wir wollen uns entschließen, wie einer unserer Vorfahren, zu
bekennen, dass wir nichts wissen, dass wir hier und da Wahrscheinlichkeiten haben;
allein im Tun komm' uns niemand zuvor. Weder Wagehälse, noch Wageköpfe taugen
viel.
    Der Ausdruck: seine Seele in Händen tragen, heißt, wenn ihn die Philosophen
brauchen, so viel, als gute Gestus machen. Wir wollen uns weniger um das Für und
Wider, diese oder jene Meinung bekümmern, als bereit sein, es komme, was nur
wolle, dass Öl in unserer Lampe sei. Gott wird uns richten, nicht nach unserm
Wissen, sondern nach unserm Tun, je nachdem wir die Winke befolgt, die uns zum
Guten aufforderten, je nachdem wir die Keime gepflegt, die er in uns gepflanzt
hat, je nachdem wir nicht, wider unser Gewissen, die Leute mit allerlei
Schwindelei der Lehre hinter das Licht geführt. - Weg mit Sophisterei, weg aber
auch mit dem Dichterlaub, das höchstens vor dem brennenden Sonnenstrahl und
einem Regenschauer sichert. Ein starkzweigiger Stamm soll aus uns werden, der
dem auswurzelnden Organ stattlichen Widerstand leistet, dessen zur Erde sich
neigende Äste Wurzel fassen und der ein Abraham, ein Stammvater eines ganzen
heiligen Hains wird. - Wissen macht schwach, Tun stärkt, festigt und gründet.
Tätige Menschenliebe ist eine Silhouette von Gott, dem Herrn. Der Anblick des
Glücklichen macht froh, das Bewusstsein, einen glücklich gemacht zu haben, macht
selig. Tat ist das Maß der Zeit; Tod und Sünde ist eins. Die personificirte
Bosheitssünde ist der Tod, das, was wir gemeinhin Tod nennen, ist nicht der Tod.
Ich bin der festen Hoffnung, es sei Geburtsschmerz, was wir Tod nennen, und
gebären nicht die schwächlichsten Werkzeuge unter den Menschen?
