 Wunsch und Hoffnung. Wir ehren jeden
Mann, der so wenig Bedürfnisse hat, und halten den Genuss, die ganze Sinnlichkeit
für etwas, das unschicklich ist. Unsere Talente selbst, was lässt sich nicht von
ihnen erwarten? Was ist nicht schon erfunden, und das Reich der Möglichkeit, wer
kennt seine Grenzen? Ich erstaune, wenn ich die Geschichte mir über tausend
Jahre denke. Sollte uns Gott geschaffen haben, um unserer zu spotten? Monarchen,
und auch Salomons unter ihnen, brauchen lustige Räte. Wie? das höchste Wesen
sollte Menschen zu solch einer Absicht - oder im Zorn sollte Gott den Menschen
gemacht haben, wie einige Gottschänder gewähnt? Und was ist selbst leichter zu
denken, dass wir bleiben oder dass wir aufhören werden? Wer ist, der sich nicht
nach Unsterblichkeit sehnt? Und diese Sehnsucht sollte wie Spreu zerstreut
werden? Die meisten unserer Brüder sterben gemeinhin in Fragezeichen, einige in
Verwunderungszeichen, viele in Komma; wer stirbt im Punktum? Und sollte der
Mensch seinem Oberherrn trotzen können, sollte er, wenn es ihn gut dünkt, in der
Welt Brand stiften, alle Kinder, die jährig und drunter sind, in Bethlehem
morden lassen und sodann flüchtigen Fuß setzen können, ohne dass ihm Steckbriefe
nachgesandt werden können, ohne dass er einzuholen und zu bestrafen ist? Ist
Tugend und Laster ein und dasselbe Ding, und soll die Tat im Stillen, die Gott
nachahmt, unerkannt und unbelohnt bleiben? Wo dann die Bewegungsgründe zu diesen
göttlichen Taten? Und wann würde ich aufhören zu fragen, wenn der Tod ewiger
Tod, ewige Verdammnis zur Vernichtung wäre? Zwar, wenn wir erwägen, wie der
Mensch auf die Welt kommt, sieht es doch fast so aus, als ob man Menschen säen
könnte. Wie der Hausvater sich Federvieh schafft, so der Monarch Untertanen;
jener legt Eier unter die Henne, dieser schließt seine Wolken auf, lässt Freiheit
und Überfluss in seinen Staaten regnen, und siehe da, es wird! Ist aber dieser
Gang der Natur, so unbedeutend er anscheinet, nicht eben darum göttlich? Der
Mensch kann alles und kann nichts. Die Natur sängt im Kleinen an, allein wie
weit ins Große geht sie! sie springt nicht, sie geht mit bedächtigem Schritte.
Was sind wir, wenn wir auf die Welt kommen, und was, wenn wir hinausgehen, und
zu was sind wir dann nicht aufgelegt? Wir sind geprüft, geläutert und bewährt.
Es gibt Tugenden, die nicht anders als in einem niedrigen, schattigen Tal auf
dürrem Boden wachsen können; darum die Welt, und darum auch die andere. Es kann
alles aus uns werden, was Gott will; zwar wissen wir's nicht, wir glauben es
