
bete mit der Seele, Geist zu Geist! Schwerlich wird jemand, der von Jugend auf
sagen gelernt: Abba, mein Vater! sich ohne Worte behelfen. - Ein Wort, ein Wort,
sagt man, ein Mann, ein Mann; allein Lebens- und Sterbens wegen schreibt man's
doch auf. - Was dies Schriftliche beim Menschen ist, das ist das Gebet bei Gott,
es geschehe, wie die Theologen sagen, mit dem Herzen allein, oder mit Herz, mit
Hand und Mund!
    Herr v. G. Gott ist ein Geist, und die ihn anbeten, müssen es in Geist und
in Wahrheit.
    Pastor. Luther sagt von der Taufe: Wasser tut's freilich nicht. - Worte
tun es auch beim Gebet freilich nicht. Das Gebet selbst, was ist's ohne
Handlungen, ohne gute Gesinnungen? Gehe hin und versöhne dich mit deinem Bruder,
und dann komm und bete, empfinde das innere Bewusstsein dieser guten Tat, und
dieses Bewusstsein opfere Gott dafür, dank ihm! Warum sollten wir aber auch von
einer so teuren Gabe, als die Sprache ist, Gott nicht die Erstlinge opfern? Es
gibt ein gewisses herzliches, kindliches Denken, das durchaus in Worte
ausbricht. - Wir sind und bleiben Menschen! das weiß der liebe Gott, der Engel
kennt und Menschen kennt. - Er erlaubt uns gern, ein Wörtchen mitzureden, wenn
sich unser Geist zu seinem Schöpfer, dem Geiste der Geister, emporschwingt. -
Ich habe einen Stummen gekannt, der alle Morgen und alle Abend an den lieben
Gott schrieb.
    Herr v. G. Pastor, da wollt' ich drauf wetten, das hat der liebe Gott recht
gern gesehen.
    Pastor. Weil eine kindliche Einfalt darin ist.
    Herr v. G. Jeder wird seines Glaubens leben! Vielleicht sollten wir nichts
mehr als das Vater unser beten, wenigstens ist es das allervollkommenste Gebet,
wie ihr Herren selbst sagt. Warum sollt' ich etwas, das weniger vollkommen ist,
vorziehen?
    Pastor. Das nicht; wer kann aber das Vater unser so oft beten und mit
Andacht? - So wie man Linien mit Bleifeder zieht, damit die Kinder gerade
schreiben, so Christus mit dem Vater unser. Ich spare das Vater unser, bin
darauf geizig und tue mir ordentlich damit was zu gut. - Alle Kubache haben
mehr Schaden als Nutzen gestiftet. Der gemeine Mann wird durchs Gebet aus dem
Herzen klug, er lernt sich fassen, und wenn wir Volksgebete sammeln könnten,
Herzensgebete guter Menschen, ich sage, wenn wir's könnten - wie vortrefflich
würde diese laute e Milch schmecken, wie wohl uns bekommen! - Ein solch naives
Buch wäre noch nicht in
