 Stühlen und
Tischen zu entweihen.
    Erziehen, sagte mein Vater, heißt aufwecken vom Schlafe, mit Schnee reiben,
wo's erfroren ist, abkühlen, wo's brennt. Wer nie ein Kind unterrichtet hat,
wird nie über das Mittelmässige hervorragen. Docendo discimus ist ein großes und
wahres Wort! In gewisser Art lernen wir mehr von den Kindern, als die Kinder von
uns. Wer ein Auge hat, lernt hier den Menschen. Wenn die Sonne aufgeht, kann sie
der Blick umfassen. Wer kann in sie sehen, wenn's Hochmittag ist? -
    Wenn ich auf etwas durchaus und durchall bestand, überließ mich mein Vater
meinem Eigensinn, und ich sah aus den natürlichen Folgen, wie töricht ich
gehandelt, dass ich seinen Fingerzeig aus der Obacht gelassen. Er behauptete, dass
keine natürliche Strafe gleich einer Todesstrafe wäre, und so ließ er nach
dieser großen Vorschrift auch mich nur durch Busse bekehren und leben. Ich
verbrannte mich am Licht, ich verdarb mir den Magen unterm Pflaumenbaum. Wie der
himmlische Vater es mit uns macht, pflegte er zu sagen, so sollten es auch
leibliche Väter machen. Welch einen Einfluss diese Lehrart auf mich gehabt, ist
unaussprechlich. - Ich lernte Natur, die wir leider bei dem allgemeinen Fall
oder Verfall der Menschen lernen müssen. Ich lernte sie im Kleinen und im
Großen. Wenn ein Genie allein auf dem Lande geht, pflegte mein Vater zu sagen,
bleibt es nicht lange allein, die Natur geht ihm an die Hand. Sie fasst es an,
und es versteht die Blume, wenn sie sich neigt, und den liebevollen Hopfen, der
sich hinaufranket. Es bewundert den Regenbogen, das Ordensband, das Gott der
Erde als ein Gnadenzeichen umhing. Da sehen dann Genies einen gewissen
Zusammenhang zwischen Gott und dem Menschen, und sind Seher, von Gott
Angehauchte. Dies ist unendlich mehr, als ein Autodidaktos, ein Selbstgelehrter.
Dieser lernt aus Büchern, ein Seher lernt von Gott und aus seiner für ihn
aufgeschlagenen Welt.
    Mein Vater ließ es nie zu Tätlichkeiten bei seinen Strafgerichten kommen,
denn ich verurteilte mich selbst, und er bewirkte eben hierdurch eine große
Absicht. Er erzog nicht einen Sohn, sondern einen Menschen.
    Meine Mutter hielt einen Gnadenstoss für notwendig, und wenn sie mir mit
ihrer teuren Rechten einen Ritterschlag versetzte, pflegte sie zu sagen: Besser
so als anders! - eine freie Übersetzung von: besser Ritter als Knecht - und
dann sagte sie wieder: Wer seinen Eltern nicht folgt, folgt dem Kalbfelle. - In
der Hauptsache stimmte sie mit meinem Vater, sie zog nur durch einen andern Weg
in eben dasselbe Land. - Regen, der ihr kam, wenn sie die große Wäsche
