 war
ihnen ein Ach und Wehgeschrei.
PASTOR. Es ist die härteste Farbe, der Stand der Natur, der Stand der Wilden.
Die Jugend scheinen helle, einfache, das Alter zweifelhafte, vermischte Farben
zu kleiden. Jene könnte man kühne, diese bedächtige Farben nennen. Den Blonden
kleiden blasse, oder ganz schwarze Farben; jenes wegen der Harmonie, dieses
wegen des Kontrastes. Den Brünetten kleiden harte Farben. So gibt's auch
seidene, baumwollene Gesichter, und Gesichter von Garn. - Ich halte dafür, ein
jeder Mensch, ich sage Mensch, muss seine königliche, priesterliche und
prophetische Stunden, und auch so seine dreierlei Kleider haben. Meine Frau hat
mich darauf gebracht. So stimme ich mit dem Kleiderschmuck Sr. Hochwohlgeboren
des Herrn v. W., und so weich' ich von ihm ab. König geht eigentlich auf die
vergangene, Priester auf die gegenwärtige, Prophet auf die künftige Zeit;
indessen gibt es Zeiten, wo die Minute, wo der Augenblick den König, den
Priester, den Propheten fordert.
HERR v. G. Pastor, die Idee gefällt mir, ich glaube, jeder kluge Junge, das
heißt doch eben so viel, als jeder Mensch, ich sage Mensch - ist König, Priester
und Prophet, wenigstens weiß ich mir Zeitpunkte zu besinnen, wo ich König,
Priester und Prophet gewesen, und wäre mir das Wort König nicht so gehässig -
würd' ich nicht gern mit Cromwell: anstatt dein Reich, deine Republik komme!
beten; König wäre meine Lieblingsuniform.
PASTOR. Sie können immerhin ihre republicanischen Fasces beibehalten. Sie dürfen
kein Königscher werden, um im Geiste König zu sein - ich bin für Könige, das
heißt was anders, als froh wie ein König sein.
HERR v. W. Schicket euch in die Zeit, ich schlage Herzog, Priester und Prophet
vor.
HERR v. G. In dem Sinn, wie der Pastor es nimmt, ist Herzog von Kurland viel zu
wenig für mich.
      Hier breche ich ein Politisches Gespräch ab, das wie ein Heckenfeuer
    heraussprang, und wobei mir viel entging. Wie sich dies Gespräch auf den
   Aufschlag am Kleide reducirte, weiß ich nicht. Das Ende vom Liede war, dass
Kurland ein Aufschlag von Polen sei, und dass, wenn ja ein anderer Aufschlag, als
                         von dem nämlichen Tuche, sein
                         sollte, er lichter sein müsste.
HERR v. G. Das wahre Verhältnis von Polen gegen Kurland.
                                     * * *
PASTOR. Geschmack ist die Bemühung, unser Urteil mit andern allgemein zu
machen. Die Deutschen werden es nie zu viel Genies bringen, welche Flügel der
Morgenröte haben; sie besitzen aber sehr große Anlage zum Geschmack; alles zu
