 G. Und steht aus, wie alles, was frisch und gesund ist. Nicht wahr, er
kennt keine Terminologie?
VATER. Er kocht freilich nicht aus der philosophischen Speisekammer, sondern
nimmt's aus der Welt. Er gibt nichts Geräuchertes; Früchte, Geküche trägt er
auf.
HERR v. G. Sinne sind die Bauern. Sie stehen zwar unter der Obrigkeit, indessen,
wenn sie nicht wären? Ich ärgere mich, wenn man die Sinne wie das liebe Vieh
nimmt und herabsetzt - bald hätt' ich mich verredet und gesagt: sie sind ja auch
Menschen - Sie verstehen mich schon, Pastor.
PASTOR. Vollständig!
HERR v. G. Warum sind wir unerkenntlich gegen die Sinne?
PASTOR. Ich habe schon einen Grund angegeben; hiezu kommt, weil wir alles
hassen, was uns unsere Freiheit raubt, und sie einschränkt. Gelt! das ist ein
Grund für einen Monarchenfeind. Beinahe eben darum würd' ich allen Herren
Moralisten, wess Standes, Alters und Ehren sie sein mögen, anrätig sein, die
Tugend nicht in ihrer erhabenen Hoheit, im hohen Lichte zu zeigen, sondern
liebenswürdig. Nicht als einen König im Diadem, sondern als ein hübsches
Mädchen; denn selbst wofür wir Respekt zu haben verbunden, wird uns
beschwerlich. Lieber bei Freunden, als Gönnern.
HERR v. G. Ich wenigstens kann auch das Laster nicht martern sehen, aber wie wir
erst abvotirten - in der Narenkappe.
PASTOR. Das ist der wahre Standpunkt; denn der Mensch kann nichts weniger
ausstehen als Spott. So denkt jeder, der gut erzogen ist, oder eigentlich, der
sich selbst erzogen hat. Wir sind beinahe wieder, wo wir ausgingen; fröhlich
zogen wir unsere Straßen, fröhlich sind wir wieder zurück.
HERR v. G. Wo ich »Vivat das Lachen hoch!« rief. Es lebe! - Hoch! hoch! aber
sagen Sie mir die Lustigkeit.
PASTOR. Die Lustigkeit ist die Fertigkeit im Lautlachen. Das Überlautlachen -
ICH. Ein Vivat höher als hoch, das höchste.
PASTOR. Sie ist mehr als Zufriedenheit; allein wer mehr Mittel, als nötig sind,
zur Glückseligkeit anwendet, ist der glücklicher? Über seine Bedürfnisse etwas
haben, macht das reich? In der Sparsamkeit liegt so viel Stoff zur
Glückseligkeit, dass es unaussprechlich ist. Ein Verschwender verzählt sich alle
Augenblick in seinem Vergnügen; er wird in seiner Lust betrogen. Die Sparsamkeit
hat Vor- und Nachgeschmack und Genuss - der Verschwender höchstens Genuss,
höchstens Wollust für einen gegenwärtigen Augenblick. Die Lustigkeit ist was
Konvulsivisches, was Erschöpfendes. Ein Lustigmacher ist ein Mensch, der zu
tausend Gerichten ohne Hunger und bei verdorbenem Magen verdammt ist. Da will
ich
