 ohne dass es so übel genommen wird, denn die größten Dinge sind durch
Selbstbilligung entstanden. Diese wirst ein Licht auf alle Gegenstände, die uns
beschäftigen. Wir haben einen heitern guten Tag durch dieses Licht. Es ist
schade, dass die deutsche Sprache drei Buchstaben beim ich hat. Man kann aber,
wie meine Frau zu sagen pflegt, bei allem erbauliche Betrachtungen haben. Beim
Schmerz leidet das ch, ist man betrübt, leidet das i.
HERR v. G. Herr Pastor, ich habe noch nie vom ich so viel sprechen gehört, ohne
dass man sich meint, als Sie. Ihr ich ist bloß Bild aller Menschen; das Selbst
ist das Ziel, wonach wir alle schießen, mancher trifft in's Schwarze, mancher
dicht bei, mancher weit davon. Aber darüber eine Erklärung: warum gehört zur
Beobachtung sein Selbst Anleitung! Warum Kunst, sein eigener Zuschauer zu sein?
obgleich man sich vor der Nase hat.
VATER. Warum muss man die Alten lesen, um zur Natur zu kommen? Warum brauchen wir
Dolmetscher, da die Natur doch Deutsch versteht?
ICH. Warum studiert man Medizin?
HERR v. G. Um kuriren zu können.
ICH. Und wenn wir nicht kuriren wollen, sollten wir Medizin studieren, um dem
Arzte zu sagen, was uns fehlt.
HERR v. G. Fast dächt' ich, es wäre nötig, und darum so viel Gräber, weil sich
beide nicht verstehen. Der Doktor spricht aus dem Buch, der Kranke spricht aus
dem Leben - jener Latein, dieser Deutsch.
VATER. Die Ärzte müssen entweder Menschen, oder alle Menschen müssen Ärzte
werden.
ICH. Viele Menschen, denk' ich, Vater, besehen sich bloß, wie man sagt, er hat
die Welt gesehen oder besehen.
VATER. Sie sind in einem Naturaliencabinet, in einer Bibliothek ohne Kenntnisse.
Sie lassen sich alles zeigen; sobald sie heraus sind, weiß kein Mensch ein
lebendig Wort, höchstens tote, wie ein Reise- Journal geschrieben.
HERR v. G. Überhaupt, denk' ich, ist das Reisen nicht die Art, Menschen zu
kennen. Zu den meisten Reisenden könnte man sagen: bindet ihm Hände und Füße,
und werft ihn in sein Vaterland. Der Mensch versteckt sich, so wie das Wild. -
Kein Bild ist ihm ähnlicher, als das in der heiligen Schrift: »Adam versteckte
sich unter die Bäume im Garten,« machte sich grüne Vorhänge. Er ward aus einem
Freunde Gottes ein Wilder.
VATER. Ich glaube keinem Gereisten, wenn er von den Menschen spricht. Unsere
meisten Reisebeschreiber zeichnen das Zimmer, wo sie abgetreten, die Wirtin
oder ihre Tochter, den Herrn Wirt
