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VATER. Gehorsamer Diener, Herr v. -
HERR v. G. Aber, Pastor, sagen Sie, sind wir nicht ein Paar Verneinungen, ein
Paar Nullen, ein Paar Narren gewesen, dass wir uns und so manchen Realitäten
sieben Jahre, wenn's nicht mehr ist, den Rücken gekehrt? Ich glaube, wir hätten
schon ein neu System, einen neuen Kalender in der gelehrten Welt während dieser
Nullenzeit eingeführt. Ein immerwährender ist unter euch hochgelahrten Herren
nicht möglich. - Lassen Sie uns einmal von uns selbst eins plaudern. Wir
verdienen, dass wir uns eins versetzen, wir wollen aber das ganze Geschlecht zur
Gesellschaft mitnehmen. Ich hab' es, glaub' ich, von Ihnen, wer gen Himmel
fahren will, muss erst Höllenfahrt halten. Wer Gott erkennen will, erkenne sich
erst selbst. Nosce the ipsum. Das ist die Lehre von Busse und Glauben.
VATER. Das Wörtchen ich ist ein Gemälde der Seelen! Es will mehr sagen, als
Singularis. Es ist der Singularis im Superlativo. Ich ist natürlicher Wert, du,
er, wir, ihr, sie, nur in so weit ich voraussieht. So lange es heißt ich, ist's
recht, sagt man aber ich selbst, so ist man krank, und recipe: den Menschen von
sich selbst abzuziehen. Bei der Not meines Nachbars denk' ich an meine
Sicherheit; wenn man den Nachbar wegen seines Eheprocesses beklagt, denkt man an
seine Frau. Dem Reichen immer den ersten Stuhl; man könnte ihn, denkt man, doch
wohl nötig haben. Die Gegend aus meinem Fenster ist die schönste, das Landgut
meines Freundes das schattenreichste. Ein Gereister lobt in seinem Vaterlande
die Fremde, in der Fremde sein Vaterland. Die Faulheit ist oft der Sporn des
Fleißes: die künftige Gemächlichkeit, nicht das Edle der Arbeit, treibt. Kein
Sohn lässt den Vater begraben, ohne vorher die Nachlassbalance zu ziehen, und die
Bücher zu schließen, und wenn auch der Verstand zuweilen Recht sprechen will,
das Seihst vertritt ihm den Weg Rechtens. Je mehr man dieses ich versteckt, je
mehr Welt hat man. Die Selbstschätzung besteht nur darin, dass uns andere nicht
gering schätzen. Sogar, wenn man in Gesellschaften sich selbst tadelt, ist's
verdrießlich; man will lieber mit einem Tubus nach Sternen sehen, und aus einem
indifferenten Standpunkt die Welt betrachten, als andere Leute ich aussprechen
hören. Man glaubt, dieses ich spotte uns nach, und mache uns Männchen. Der
Mensch ist zum Tausch geboren, er möchte seinen Stand, seine Seele, seinen Leib,
nur nicht sein ich vertauschen. - Wenn man ein Buch schreibt, kann man ich
brauchen,
