 sich von
fremden Leuten nachrühmen zu lassen: »Er hatte Verstand, er hatte Geld.«
VATER. Geld wirst keinen Nachruhm ab. Es trägt nur Zinsen, so lang man lebt. Ein
Reicher ist, so lang er lebt, Souverain in diesem Jammertale. Er kann sich
alles kaufen, vielleicht gar ruhiges Gewissen und Gesundheit. Ist er geizig -
und wo ist ein Reicher, der es nicht wäre? - wird er wenigstens seltener krank,
wie ein andrer. - Kein epischer Dichter hat solch eine Einbildungskraft, wie er.
Er genießt alles in der Einbildung. Kein Wunder, dass er sich nie den Magen
verdirbt. Er sieht seinen Geldkasten an, und da steht er Wagen und Pferde, da
steht er seinen Tisch mit allem Neuen vom Jahr besetzt - Leckerbissen und seine
Weine! Das sieht man in keinem optischen Kasten, was der Geizhals alles steht.
Hier ist der Hals übel gepaart, der Geizige müsste denn am fremden Orte sein, wo
es ihm nichts kostet. Geld sollte das Mittel sein, um zu genießen; allein der
Reiche hat gemeinhin Mittel, um sich neue Mittel zu erwerben, und am Ende Mittel
über Mittel; allein keinen Zweck. - Im Tode heissts: »Sohn, du hast dein Gutes
empfangen in deinem Leben,« es tut nichts, ob in Prosa oder im Gedicht, ob
wirklich oder in Einbildung. Das Geld bleibt zurück, und wenn man ja an den
seligen Herrn denkt, so heißt's der Geck! so schönes Geld! und ein so schlechter
Keller! Mit dem Nachruhm des Gelehrten ist's eine andre Sache. Verstand trägt
Zinsen bis an der Welt Ende. Newton hat keine Kinder nötig. Jeden Gelehrten hat
er über die Taufe gehalten, ist's ein Jude, hat er ihn beschnitten. Jeder seiner
Schüler ist sein Sohn. - Ein Gelehrter dieser Art hat das Glück, lauter
wohlgeratene Kinder zu haben, es sind Seelenerben, die er mit Geist und
Wahrheit nährt - Er darf weder Gastwirt, noch Schwertfeger, noch Fechtmeister,
noch Wäscherin für sie bezahlen.
HERR v. G. Alles gut, lieber Pastor, was hat aber Newton und alle von seinem
Gelichter davon?
VATER. Ein doppeltes ewiges Leben - in jener Welt eins, in dieser Welt eins. Ein
Gelehrter, der sich seiner Unsterblichkeit bewusst ist, hat einen Beweis mehr in
sich, dass er nicht aufhören werde. Diese Unsterblichkeit und jene
Unsterblichkeit sind verwandt - und rechnen Sie dies Bewusstsein für nichts, ehe
solch ein doppelt Unsterblicher den Weg geht, den alle gehen? Er lebt doppelt -
schmeckt sterbend doppelte Kräfte der künftigen Welt.
HERR v. G. Pastor, es ist mir nicht
