 Guter Medardus! wenn du es zu einer solchen Illusion
bringen, und die itzigen Macedonier in eine ähnliche versetzen könntest, so
würdest du sie heute noch wider die Türken anführen. Die Illusion! das ist die
ganze Kunst eines Alexanders; und wenn du nicht philosophische Gewissensbisse
hinter drein leiden wolltest, so müsstest du dich in der Illusion bis an dein
Ende erhalten: vermutlich trank und schwelgte Alexander deswegen, um nicht zur
Vernunft zu kommen und das Kleine seiner Größe zu fühlen. -
    Elende Größe, die einer solchen Stütze bedarf! rief Belphegor.
    FR. Und doch ist sie zu allen Zeiten die höchste gewesen, die traurige
Größe, an dem Tode vieler Ursache gewesen zu sein! Wer eine Rechnung über den
Abgang der Menschheit anstellen wollte, würde vielleicht unter hunderttausend
Millionen achzig finden, die der Herrschsucht, dem Neide, dem Geize, dem
Aberglauben von Menschen aufgeopfert worden sind, und zwanzig, die die Natur
selbst gewürgt hat. Gewiss, die Natur muss die Menschen deswegen auf den Erdboden
gesezt haben, dass sie sich in Rotten sammeln und einander von einem Flecke der
Erde zur andern herumtreiben sollen -
    Unmöglich! rief Belphegor.
    FR. Aber was haben sie bisher getan als dieses? - Die Tatarn drängen sich
aus dem innersten Winkel Asiens hervor, diese verdrängen die sarmatischen
Völker, die Sarmaten verdrängen die Deutschen, die Deutschen machen sich unter
Galliern, Spaniern, den Einwohnern Italiens Platz: die Mohren verdrängen
Vandaler, Alanen, Sueven, Goten, die christen verdrängen die Mohren; Dänen
verjagen die Britten, Angelsachsen die Dänen, Dänen die Angelsachsen, Normänner
die Dänen; und wenn es auch oft nichts als eine Verwechselung des Regenten,
nichts als eine Vermischung der Völker war, so musste doch beides mit
Menschenblut bewerkstelligt werden. Was taten die Menschen anders als dass sie
sich in Rotten sammelten und einander wechselsweise zu unterdrücken suchten? Was
war es als Unterdrückungssucht, die den Dschengis-Khan durch beinahe ganz Asien
herumjagte? Was brachte seine Tatarn nach der Eroberung von China auf die
menschenfreundliche Beratschlagung, ob sie nicht lieber alle Einwohner töten
und das ganze Land in Weiden für ihre Bestien verwandeln sollten? Waren seine
Kriege gleich weniger blutig, mochten sie gleich hinter drein einen zufälligen
Nutzen wirken, so war doch dieser nicht seine Absicht, so sind sie doch ein
Beweis von der Neigung der Menschen zum Unterdrücken. Was anders trieb den
Kublai nach China? Was anders hezt die kleinen afrikanischen und ostindischen
Könige ewig zusammen, sich beständig einander zum Herrn aufzudringen, obgleich
keiner mehr zum Vorteile hat als den stolzen Gedanken, von einem Paar elenden
Geschöpfen für ihren Obern erkannt zu werden? Was Huronen, Irokesen,
Algonquinen, Plattköpfe und Kugelköpfe, sich ohne sonderliches Interesse, auf
die
