 einmal erzählen
kann, wie es zugieng.
    FROM. Als Sklave verkauft, kam ich unter den weißen Knechten nach Amerika,
in die Pflanzung eines Tyrannen, der uns das Joch seiner Gewalt bis zur
Übertreibung fühlen ließ. Ich wurde durch eine solche Behandlung gewissermaßen
wild und grausam gemacht: ich fasste oft den Entschluss den Mann umzubringen, oder
selbst zu sterben und ein qualvolles Leben zu endigen. Während dass ich
unentschlossen mit diesem Gedanken umgieng, entstund ein Aufruhr auf der Insel:
man hatte sich allgemein zu dem Untergange des Befehlshabers verschworen, dessen
Bedrückungen und Kränkungen alles Rechts schon längst unerträglich geworden
waren. Man stürmte sein Haus, man nahm ihn gefangen, man steinigte ihn, und er
wurde im Getümmel erdrückt. Diesen Tumult nüzten einige Banden weiße Knechte,
setzten sich in Freiheit, erschlugen ihre Herren, und unter diesen Streitern der
Freiheit war auch ich. Da das Volk sich selbst einen Befehlshaber wählen wollte
und doch in zwo Parteien geteilt war, so stellte ich mich mit meiner Bande an
die Spitze der mächtigern, half ihr siegen, und ihre Wahl, weil sie keinem unter
sich einen so wichtigen Vorzug gönnten, fiel auf mich: ich wurde ihr
Befehlshaber und blieb es so lange, bis mich die Kabalen eines Nichtswürdigen
befürchten ließ, dass ich, da mir die Bestätigung des Hofs fehlte, zuletzt
unterliegen würde. Mein Sklavenstand und die rohe Behandlung darin hatten mir
einen Teil meiner Menschlichkeit genommen: drücken und bedrückt werden, hatte
sich mit mir so familiarisirt, dass es mir nicht mehr wie sonst einen Schauer
abnötigte, sondern ich konnte es mit kältern Blute sehen und denken, weil es
mein täglicher Anblick und mein tägliches Gefühl gewesen war. Ich kam mit dieser
verminderten Menschlichkeit in meine Würde, erhielt einen weitern und freiern
Wirkungsplatz, mehr Gegenstände der Begierden und mehr Gewalt, meine Begierden
wuchsen, wuchsen über meine Kräfte hinweg und - Freunde, soll ichs euch weiter
erzählen? Meine Geschichte ist die Geschichte aller Menschen. Ich wurde die
Marionette meines Eigennutzes und meiner Eigenliebe; und Belphegor, Du weißt es,
wie sehr ich unter ihrem Befehle stund, als Du mir Deine freundschaftliche Hilfe
zur Besserung anbotest. Wegen dieses einzigen glücklichen Erfolgs lass Dich alle
Wunden und Beulen nicht gereuen, die Dir Dein zu feuriger Eifer für Recht und
Gerechtigkeit geschlagen hat. Du hast mich zum Menschen wieder umgeschaffen, Dir
bin ich mehr als mein Leben - meine Rückkehr zur Vernünftigkeit schuldig.
Freunde! lasst uns unsre Erfahrung nicht umsonst mit dem Verluste unsrer Tugend,
eingesammelt haben! Wir haben bewiesen, dass man nie gut genug sein kann, um es
beständig und in allen Vorfallenheiten zu sein, dass der Sauerteig des Neides und
der Herrschsucht in jedem Herze liegt und bei stärkrer oder schwächrer
