 nicht tausend Gegenstände
umgeben, die Dich durch ihre Narrheit oder Schändlichkeit zum Unwillen reizen,
wenn du bessern oder nicht sehen, kein Mensch sein, kein Gefühl von Recht und
Unrecht, vom Guten und Bösen haben musst!
    FROM. Alles dies besitze für DICH, zu DEINEM Gebrauche, um Dich in Deinem
eignen Verhalten davon leiten zu lassen, und danke der Natur und dem Schicksale,
dass sie sich beide vereinigten, Dich zum warmen gefühlvollen denkenden Manne,
zum Kenner und Verehrer des Guten und Rechtschafnen zu machen! dass sie unter
Deinen übrigen Mitgeschöpfen nur wenigen diese Wohltat erzeigten, ist das DEIN
Werk? oder kannst DU das ändern? Es ist im Laster und in der Torheit eine
gewisse Fatalität - hier in Virginien zwischen zween Freunden kann ich dies
sagen - die Erfahrung lehrt es, man folgre daraus, so viel schädliches man
wolle: was kann ICH dafür, dass die Erfahrung mich eine Wahrheit lehrt, die aus
schädlichen Folgen beschwängert ist? - Mein eigenes Beispiel lehrte mich sie. Ich
habe zwo Hauptvergehen in meinem Leben begangen: ich habe Dich, Belphegor,
meinen Freund, hintergangen, und bin ein Unterdrücker geworden. ICH war es - ich
gestehe dies, Freund - ICH war es, der Akanten antrieb, Dich aus ihrer Liebe und
ihrem Gesichte, obgleich nicht mit der gebrauchten Härte, zu verbannen: allein
die Liebe riss mich hin; sie überwältigte meine Freundschaft für Dich so ganz,
dass ich Dich unmöglich ohne Neid in ihren Umarmungen die süßeste Wohllust
genießen sehen konnte: die Freundschaft kämpfte wider die Eifersucht, und ich
war bloß ihr Tummelplatz: ich konnte nichts wollen und nichts beschließen: die
Leidenschaft siegte, ich verdrängte Dich, und wurde ein Falscher, um mir die
Scham vor Deinen Vorwürfen zu ersparen, hintergieng Dich zweimal mit Lügen: doch
Akantens Treulosigkeit strafte mich dafür. - Freund, vergiebst Du mir einen
Fehltritt, zu welchem mich alles hinriss? Ich war meiner nicht mächtig, ich musste
ihn tun, in meiner Lage war er unvermeidlich, notwendig.
    BELPH. Meine Freundschaft vergab Dir ihn, ehe Du ihn tatest. Umarme mich!
Verzeihung geben und empfangen ist die Geschichte des Menschen. Jeder dieser
Fehltritte ist mir begreiflich; allein wie Du, ein so entschlossner Feind aller
Unterdrückung, verleitet werden konntest, Handlungen zu begehn, die Du jederzeit
verabscheutest, das, das ist mir unerklärbar.
    FROM. Nicht unerklärbarer, als da Du über den Tod eines einzigen Schwarzen
einen Krieg mit mir, Deinem Freunde, anfangen konntest -
    MEDARD. Oder da ich eine Mauer um Niemeamaye ziehen und allen Einwohnern ihr
Gold abnehmen ließ. Siehst Du, Brüderchen? dazu wird man Dir durch die
Gelegenheit so hingerissen, dass man hinter drein sich nicht
