 flog. -
Brüderchen, schrye er, bist DU es? bist DU es? Gewiss? DU, Brüderchen? der mich,
deinen MEDARDUS, in dem abscheulichen Palaste zu NIEMEAMAYE mitten in den
Flammen zurückließ? - Sagte ich doch: die Vorsicht lebt noch: wir dachten
einander nimmermehr wieder zu finden, aber siehe! hier sind wir beisammen. Wer
hätte das denken sollen? - Und Du auch, Akantchen? - Wohl uns! wenn wir erst
wieder in Kartagena sind! Dann solls euch gehen! - so gut, als ihrs jetzt
schlecht gehabt habt! Glückliches Wiedersehen, und nimmermehr wieder Verlieren! -
und so trank er munter sein Glas aus. -
    Aber, sprach Belphegor, wenn die Vorsicht noch lebt, wie Du noch immer fest
glaubst, warum ließ sie mich erst so lange Zeit zweifeln, ob überhaupt eine
existirte? Warum musste ich geschunden, zerschnitten, gesengt und beinahe
gefressen werden, um davon überzeugt zu werden? und noch kann unser Wiedersehen
eben so sehr die Wirkung eines Ohngefehrs, eines zufälligen Schicksals als einer
Vorsicht sein? Meine Leiden machen meinen Glauben an sie kein Haarbreit stärker;
ja so gar - sie schwächen ihn. -
    Bist Du noch so ein Grübelkopf, Brüderchen? unterbrach ihn Medardus. Ersäufe
Zweifel und Grillen in der Flasche: genug, ich glaube, dass eine Vorsicht ist,
und wers nicht glaubt, den soll der Teufel holen! - Nun, Brüderchen! - und so
stieß er an sein Glas - alle, die eine Vorsicht glauben, sollen leben! -
    Man merkte es, dass die Flasche den jovialischen Medardus begeistert hatte;
und da Belphegors Rausch ein trüber melancholischer Rausch war, so hätten beide
beinahe über Schicksal und Vorsicht in einen unseligen Zwist verwickelt werden
können, wenn nicht Akantens Dazwischenkunft sie getrennt und im Frieden erhalten
hätte.
    Als der Rausch ausgeschlafen war, so kehrte zwar die alte Vertraulichkeit
wieder zurück, allein Belphegor blieb doch trübsinnig. Akante heiterte sich mit
jeder Stunde wieder auf: mit jeder Erzählung, die ihr Medardus von dem
Reichtume und den Schönheiten zu Kartagena machte, mit jeder Aussicht auf
Ruhe, Bequemlichkeit, Ergötzlichkeit, die er ihr eröffnete, verschwand das
Andenken der überstandnen Beschwerlichkeiten, und es verstärkte sich ihre
Munterkeit und Lebhaftigkeit; sie quälte sich nicht, ob diese angenehme
Erwartungen ein Geschenk des Schicksals oder der Vorsehung sein möchten: genug,
sie sollte sie genießen, und war damit zufrieden, dass sie sie genießen sollte.
Belphegor hingegen lief täglich und stündlich die traurige Geschichte seines
vergangenen Lebens durch, fand überall Gelegenheit zu klagen und mit seinem
Glauben sich auf die Seite eines blinden Schicksals zu neigen, wozu Medardus mit
seinem unumschränkten Vertrauen auf eine Vorsehung nicht wenig beitrug, weil er
