 tätig,
weniger lebhaft geworden, wäre sie nicht dafür glücklicher? Was nützt es, dass
jetzt jedermann eilfertig nach seinem Vorteile läuft, rennt und andre wegstösst?
Nimmt man diese unglückliche Geschäftigkeit der Welt, diese Mutter so
unzählbarer Übel hinweg, müssen nicht alsdann alle die unseligen Leidenschaften
wegfallen, die jetzt Menschen von Menschen trennen und selbst den empfindenden
Zuschauer dieses allgemeinen Kampfjagens der Welt das Leben verbittern? Die
Menschheit ist gewiss nichts dadurch gebessert, dass sie sich zu den gegenwärtigen
Bequemlichkeiten und dem Überflusse der Europäer emporarbeitete, dass man nicht
mehr Eicheln, sondern die mannichfaltigen Schmierereien der Mundköche genießt,
dass man nicht mehr auf Stroh, sondern Matratzen oder Federbetten schläft, dass
man statt des klaren Bachs in einen französischen oder venetianischen Spiegel
sieht: gewiss im Grunde nichts gebessert, nichts glücklicher! Alles hierinne
bestimmt die Gewohnheit: diese machte es, dass vormals englische Lords auf einem
Schneeballen so sanft ruhten, als jetzt ein englischer Zärtling auf dem seidenen
Kopfküssen. Nach meinem Wunsche und meiner Einbildung sollte der Mensch mitten
auf seinem Wege zur Verfeinerung stehen bleiben, wenn er auch gleich nicht auf
der ganz untersten ewig sein wollte: die Materialien der Geschäftigkeit und der
Begierden, die ihn jetzt herumtreiben, sollte vor ihm verborgen und er ein
ruhiger sanfter Hirte, höchstens ein Ackersmann bleiben: die Erde wäre nicht zu
enge für die Beibehaltung dieser Lebensart gewesen, wenn nur die Menschen nicht
die tollen Begierden besessen hätte, über und neben einander her zu kriechen:
und Freund! bei jener geringen mittelmäßigen Geschäftigkeit sein Leben unter dem
Schatten der Empfindung ohne Politik, ohne Oekonomie, Jurisprudenz, Handel und
andre Vervollkommungen, die den Menschen zum kalten fühllosen Geschöpfe, leer
von Imagination und Empfindung machen, ordentlich und ruhig hinwandeln, welch
ein Glück! Welch eine Herrlichkeit, wenn ich damals für mich und meine LUCIE die
Erde so hätte umschaffen können! Wahr ist es, ich hätte geträumt: aber süßer
Traum ist doch besser als bittres Wachen. Meine Geschäfte verbitterten mir
wirklich mein Leben außerordentlich: sie störten meine Melancholie und wurden
von meiner Melancholie gestört; und am Ende meines Härmens erfuhr ich, dass Lucie
verlobt und gar verheiratet war, dass sie an einen der verächtlichsten Männer
des Landes verheiratet war. Welch ein Donnerschlag für einen trübsinnigen
Liebhaber! Ich empfing täglich die schrecklichsten Nachrichten von seinem
Betragen gegen sie. Der Unmensch, das unsinnigste Geschöpf des Erdbodens, das
gar nicht aus der Hand Gottes gegangen sein kann, quälte sie aus Eifersucht und
zuletzt aus bloßem tyrannischen Mutwillen: er merkte, dass auf dem Boden ihres
Herzens eine Zuneigung lag, die durch die aufgezwungene eheliche Pflicht nur
niedergedrückt, aber nicht getötet war: er merkte dies bloß, weil seine
angeborene Eifersucht; oder vielleicht das Bewusstsein seines Mangels
