 hast Recht: die Menschen sind
Unterdrücker; dieser einzige Fall ist mir Beweises genug. Die Mutter, um sich
ein elendes Leben weniger elend zu machen, unterdrückt schon in dem Alter der
Unbesonnenheit, der Schwäche ihr Kind; der englische Sklavenhändler, um für die
erworbnen Reichtümer zu schwelgen, unterdrückt den hülflosen dürftigen
Afrikaner, dem die mangelvolle Freiheit seines Landes weit über die etwas
nahrhaftere Sklaverei eines fremden Himmels geht; raubt ihm die Freiheit, er,
der mit Händen und Füßen kämpft, so bald die seinige in einem elenden Pamphlet
nur von fern mit erdichteten Gefährlichkeiten bedroht wird. Der üppige
Handelsmann der neuen Welt unterdrückt ohne alles Gefühl den gekauften Sklaven,
lässt ihn halbhungernd arbeiten, stößt ihn unter sein Geschlecht zu den Tieren
hinab, damit die Europäer ihre Tafeln mit wohlfeilem Konfekte besetzen, ihre
Speisen wohlfeil mit einer angenehmern Süßigkeit würzen können, als ihre
Vorväter: ein Teil der Menschheit wird zu Tode gequält, damit der andre sich zu
Tode frisst. - Himmel! wie schaudre ich, wenn ich diesen Gedanken, wie eine weite
düstere Höle, übersehe. Je weiter sich mir die Aussicht der Welt eröffnet, je
fürchterlicher wird das Schwarz, das diesen traurigen Winkel bedeckt. Ist von
jeher die Bequemlichkeit und das Wohlsein eines wenigen Teils der Menschheit
auf das Elend des größeren gegründet gewesen; hat immer jeder, in sich selbst
konzentrirt, den Schwächern unterdrückt; hat immer der Zufall einen Teil der
Menschen zum Eigentume des andern gemacht, und musste dieser durch seine
Bedrängung einem Haufen auserwählter Lieblinge des Glücks Bedrängnisse ersparen:
was soll man alsdann denken? - Entweder dass die Unterdrückung mit in dem Plane
der Natur war, dass sie den Menschen so anlegte, dass einer mit dem andern um
Freiheit, Macht und Reichtum kämpfen musste; oder dass der Mensch, wenn sie ihn
nicht hierzu bestimmte, das einzige Geschöpf ist, das seit der Schöpfung
beständig wider die Absicht der Natur gelebt hat; oder dass die Natur mit
ungemeiner Fruchtbarkeit Kinder gebar, und sie mit stiefmütterlicher Sorgfalt
nährte: denn diesem Elenden versagte sie nicht allein die bloß imaginative
Glückseligkeit, ohne die tausende glücklich sind; nein, selbst die tierische!
Der Sklave, der bei einem kümmerlichen Stückchen Kassave oder Maisbrodte die
beschwerlichsten Arbeiten tragen muss, der von seinem Tirannen nichts empfängt,
sechs Tage für ihn arbeiten und den siebenten die Nahrung der übrigen betteln
muss, der wie das Vieh behandelt und von seinem Besitzer als eine Möbel gebraucht
wird - dieser Mitleidenswürdige, verglichen mit einem europäischen Schwelger,
der Lasten auf seinem Tische und in seinen Zimmern auftürmt, woran der Schweis
und vielleicht das Blut jener Elenden klebt, der sich nicht speist, sondern
mästet, in Bequemlichkeit, Ruhe und Sinnlichkeit zerfliesst - und doch beide
Kinder Einer
