 Würfel mit
unzählbaren Seiten; man werfe ihn, wie und so oft man will, so kehrt er allemal
eine empor, auf welcher Neid und Unterdrückung mit verschiedener Farbe gemahlt
steht. Fromal, DU lehrtest mich das; ich glaubte dir nicht, ich glaubte nur
meinem Herze, das mit stolzem Selbstzutrauen sich selbst verkannte. Du wolltest
mir es benehmen, und ich schwur, weil mein Herz schwur. Ich Unglücklicher, ich
habe dich selbst zum Beweise gemacht, dass ich ein Meineidiger bin. Hätte ich das
geglaubt? - Geglaubt, dass unter dieser feurigen freundschaftlichen Brust Eis
genug liegen könne, die Flamme der Treue zu löschen, alle Regungen des Mitleids,
der Liebe so lange zu ersticken? geglaubt, dass in einem Winkel meines Herzens
Sauerteig des Neides genug liege, um die ganze lautere Masse desselben
anzustecken? - Was bin ich denn nun besser, als jene Grausamen, deren
Unterdrückung meinen Zorn sonst reizte? Worinne besser? - bloß dass ich nicht
würgte und mordete; ich bin der Neidische, der Habsüchtige, der Unterdrücker
gewesen, der sie insgesamt sind, nur dass der Neid mehr Mitleid in mir zu
bekämpfen hatte als bei jenen, dass die Stärke meines Mitleids durch weniger
Gelegenheiten weniger abgeschliffen ist, als bei jenen. Vielleicht - eine
traurige Vermutung! - dürfen nur mehrere Reize, mehrere Verblendungen meiner
Vernunft vorgehalten, die Fälle meines Lebens mit den Umständen andrer mehr
zusammengeschlungen, verwickelter werden; vielleicht darf nur alsdann in der
Bemühung für mein Interesse, für mein Recht dieses feurige entusiastische
Gefühl der Menschenliebe, dieser Schwung der Einbildungskraft niedergedrückt
werden; und ich bin so harterzig, so fühllos wie die Unbarmherzigen, die ich
tadle. Konnte ich es schon so sehr gegen meinen Fromal sein? konnte der Neid so
sehr alle Stimmen in mir überschreien? - Doch bis zur Unterdrückung - nein, so
weit ist mein Herz nicht böse noch schwach. - Neid? - leider muss ichs zugeben,
dass ein blendendes Nichts, betäubende Überredungen, glänzende Vorteile die
Vernunft des schwachen Menschen so verwirren, seine Eigenliebe so anspornen
können, dass sie sich unser ganz bemeistert, alle andre Empfindungen verdrängt
und alle Federn unsrer Tätigkeit allein nach ihrem Zuge spielen lässt: doch den
heiligsten Schwur tät ich gleich, ohne Furcht vor Meineid, dass ihre Obermacht
in mir niemals bis zur grausen Unterdrückung anwachsen soll. - Welche Betäubung
alles Sinnes gehört dazu, mit der Freiheit eines Geschöpfes von meiner Art ein
Gewerbe zu treiben? es zu einem ewigen Sklavenstande zu bestimmen, wenn es weder
Kenntnis noch Wahl leitet? es dem Tode auf dem Wege, oder dem Elende in einem
andern Weltteile entgegenzuführen? und auf diesen Ruin der Menschheit seinen
entehrenden Vorteil zu gründen? - Ja, Fromal, du
