
zum Entschluss über. Der gesetzte Mann hingegen, der oft kalt scheint, weil sein
Gefühl minder stark und gleichsam stumpf gemacht ist, handelt desto mehr für die
Tugend. Er begnügt sich nicht am Anschauen der äußerlichen schönen Gestalt der
Göttin, wie der Jüngling am Anschanen seines Mädchens, sondern sucht sich mit
ihr auf ewig zu vermählen, um ihre Seele zu besitzen. Doch weh dem Mann, der als
Jüngling die äußere Schönheit der Tugend nicht auch tief gefühlt hat! Er wird
selten, oder nie als Mann für sie handeln!
    Ein Pater, der an ihnen vorbeigieng, grüßte sie mit Namen, und nannte unsern
Siegwart, Bruder Xaver. Ja, mein lieber Siegwart, sagte Anton, nun ists bald
Zeit, wegen des Klosters einen völligen Entschluss zu fassen, denn dein Vater -
lass mich dich immer du nennen, ich liebe dich, wie meinen Sohn - dein Vater,
denk ich, wird heut oder morgen kommen, und dich abholen wollen; da müssen wir
ihm doch was gewisses sagen. Was meinst du? Hat dirs hier gefallen? Glaubtest du
dein Leben als ein Kapuziner, das heißt als ein Mann, der gröstenteils von der
menschlichen Gesellschaft abgesondert, dem Gelübd der Keuschheit, des Gehorsams,
und der Armut untertan, von der Welt ungekannt, oder nur zu oft verkannt und
verachtet lebt, glaubst du dein Leben als ein solcher hinbringen zu können, und
doch innerlich vergnügt und glücklich zu sein?
    O ja, ganz gewiss glaub ichs! antwortete Siegwart mit Heftigkeit. Ich müsste
mir ein Gewissen draus machen, wenn ichs nicht würde; denn wo könnt ich sonst so
viel Gutes tun, und mit so viel heiligen Leuten umgehen? Nein, ich will nichts
anders werden, wenn mein Vater nichts dagegen hat! Wenn ichs nur schon recht
bald wäre!
    Nun, nun, so wünsch ich dir zu deinem Vorhaben recht von Herzen Glück: Dein
innerlicher Trieb ist besser, als alles Zureden andrer Leute. Wenn du keine Lust
dazu gehabt hättest, so würd ich dich nie gesucht haben zu überreden; aber da du
selber eine so starke Neigung zum Klosterleben hast, so kann ich deinen
Entschluss nicht anders, als loben. Du wirst ein rechtschaffener Mann werden, und
dann ist man glücklich. Ich hab es schon gesehen, dass du gottesfürchtig bist,
und deinen Nebenmenschen von Herzen liebst, bleib auf diesem Wege! Er ist der
einzige zur Glückseligkeit, die so manche suchen und nicht finden.
    Da hab ich dir diesen Morgen ein paar Anmerkungen aufgeschrieben, die ich
dir, statt meines Segens, auf den Weg mitgeben will. Sie enthalten Lebensregeln,
die ich nun seit dreißig Jahren schon befolgt, und bewährt befunden habe. Präge
sie dir
