 vereinigen können.
Jener will den innern Wert seines Buchs verkaufen, dieser bloß eine
Wahrscheinlichkeit des Absatzes kaufen. Jener schätzt seinen und seines Buches
Wert nach dem Beifalle einiger wenigen Edlen, das heißt derjenigen Freunde, die
er für die wenigen Edlen hält. Dieser überlegt, ob es möglich oder
wahrscheinlich sei, dass viele nach dem Buche lüstern sein möchten, ohne in
Anschlag zu bringen, ob sie gelehrt oder ungelehrt, weise oder einfältig, nach
Unterricht oder nach Zeitvertreib begierig sind. Sehen Sie den Tiroler, der dort
geschliffene optische Gläser zum Verkaufe herumträgt? Er hat kein Flintglas und
keine Dollondsche Fernröhre. Fragen Sie ihn, warum er nicht vorzüglich sich
erkundigt, was für Gläser die größten Astronomen verlangen. Er wird antworten:
Ich verkaufe meine Gläser, unbekümmert ob man sie in Teleskope setzt, um
unbekannte Sterne zu observieren, oder in Perspektive, um einen entfernten Feind
zu entdecken oder den Freund, der uns besuchen will, früher zu erblicken, oder
in Mikroskope, um im Samentierchen zu unterscheiden, ob der erste Keim des
Menschen ein Fisch oder eine Faser ist, oder in Brenngläser, um Flotten oder
Tabakspfeifen anzuzünden, oder in Brillen, um feine Schrift zu lesen. Soviel ist
gewiss, irgendwozu muss die Ware brauchbar sein, sonst führe ich sie nicht. Doch
hat mich die Erfahrung soviel gelehret, dass Brillen stärker abgehen als
Teleskope 10, zumal in meinem Lande, wo viele Leute ein blödes Gesicht haben und
sich nur die Exjesuiten auf die Astronomie legen.
    Sebaldus: Und dennoch ist's unrichtig, dass die Buchhandlung durch dumme
Bücher in Flor kommt, denn Sie können doch nicht leugnen, dass, seitdem die
Lektur in Deutschland mehr Mode geworden, die Buchhandlung mehr floriere.
    Hieronymus: Das leugne ich gradezu. Zur Zeit der schönen, dicken Postillen,
der zentnerschweren Konsultationen, der Arzneibücher in Folio, der Opera omnia,
der klassischen Autoren und Kirchenväter in vielen Folianten, der theologischen
Bedenken und Leichenpredigten in vielen Bänden, der Labyrinthe der Zeit, der
Schaubühnen der Welt war die Buchhandlung im Flore. Was gibt man uns jetzt
anstatt dieser wichtigen Werke? Eine Menge kleiner Büchelchen, die aus Hand in
Hand gehen, wenig gelesen und wenig gekauft werden, wodurch denn endlich den
Lesern die alten Kernbücher anstinken. Sehen Sie, das ist der Vorteil, den wir
Buchhändler vom Lesen der Bücher haben.
    Sebaldus: Nun, das ist doch zu arg! Wenn man die Bücher nicht lesen soll,
was soll man denn damit tun?
    Hieronymus: Sie zerreißen oder Wände damit tapezieren.
    Sebaldus: Gott behüte, was sagen Sie da!
    Hieronymus: Was alle Tage geschiehet. Meine besten Kunden sind Schulknaben,
Handwerksbursche, Bauern, gute Mütterchen, die
