 Buchladen gesehen
hatte. Sebaldus erbot sich also, beiden etwas von seiner Arbeit vorzulesen. Sie
traten sämtlich in die Schreibstube des Buchhändlers, und der Übersetzer las wie
folgt:
 
                               Sechster Abschnitt
»Dass viele Prediger alle Neununddreissig Artikel71 beschwören, ohne sie alle zu
glauben, liegt am Tage, und man muss es entschuldigen. Wer ein Hausvater ist und
sich und seine Familie um ungerechter Formalien willen nicht in die bitterste
Not stürzen will, sei von mir nicht verdammt. Verdamme ihn ein harterziger
Rechtgläubiger, wenn er's vermag!
    Aber wie steht's um die Wahrheit? Muss die noch immer weg den Neununddreissig
Artikeln nachstehen? Wäre es nicht die Pflicht der gesetzgebenden Macht, zu
sorgen, dass durch keine Formulare die Ausbreitung der Wahrheit gehindert werde,
und sollten die Bischöfe nicht selbst die Hand dazu bieten? Wenn jene Artikel
die Kette sind, welche die äußerste Weite misst, worin der Verstand eines
Geistlichen sich bewegen darf, so ist es vergeblich, nach Wahrheit zu forschen.«
                                       *
»Ist's nicht höchst seltsam, dass man denjenigen, welche sich über die Strenge
der Neununddreissig Artikel beklagen, vorsagen will, ihre Klage sei ungerecht?
Denn, heißt es, nachdem sie die besten Jahre ihres Lebens angewendet haben, um
sich zu einem geistlichen Amte geschickt zu machen, dürfen sie ja nur kein
geistliches Amt suchen oder es niederlegen, wenn sie es schon angetreten haben.
    Dies ist also die Gnade, die man uns anbietet? Die Uniformitätsakte
verursachte, dass im Jahre 1662 am Bartolomäustage an zweitausend dissentierende
Prediger auf einen Tag ihr Amt niederlegten, daher zweitausend Familien ohne
Brot und zweitausend Gemeinden ohne Gottesdienst waren. Einen solchen
Bartolomäustag für England, so traurig als für Frankreich die
Bartolomäusnacht, wünscht Ihr also wieder, die Ihr so kalt daherplaudern könnt:
damit gar kein Gewissenszwang da sei, wäre nur nötig, dass jeder, der nicht
nachbeten will, sein Amt niederlege. Das nennt Ihr Schonung der Dissenter? Das
nennt Ihr Toleranz und Sanftmut?
    Bei Gott, diese Sanftmut der Verteidiger der Neununddreissig Artikel gemahnt
mich wie die Schonung der Rabbinen, die dem Verurteilten nur neununddreissig
Streiche geben. Wahrlich, ob er gleich den vierzigsten nicht bekommt, so
schmerzt doch deshalb keiner von den neununddreissigen weniger.«
                                       *
»Die Schriftgelehrten - gleich den scholastischen Philosophen - - haben von
jeher ihre Lehrgebäude so künstlich angelegt, dass jeder das seine trotz aller
Widerlegung beweisen kann. Sie gleichen Bergschlössern, die noch dazu mit hohen
Wällen und tiefen Graben umgeben sind, so dass derjenige, der darin ist, sich
ewig verteidigen und derjenige, der draußen ist, sie nimmer mit Vorteile
angreifen kann. Aber wie, wenn wir diese Festungen, die uns eigentlich nichts
hindern, liegenliessen und
