 eine
Kreatur der Seelenverkäufer, welche mit uns Zank anfangen will, damit Sie im
Tumulte den Bösewichtern in die Hände fallen sollen.«
    Sie verdoppelten also ihre Schritte, um diesem Unglücke zu entgehen, und
kamen endlich an das Haus, wo die Herberge sein sollte. Sie gingen eilig hinein.
Die Tür ward hinter ihnen zugeschlossen. Wie erschrak aber Sebaldus, als ihn
sein Begleiter in eine Art von Unterkammer stieß, wo ungefähr dreißig elende
Menschen auf Stroh lagen. Er brach in die heftigsten Vorwürfe gegen seinen
Begleiter aus, die dieser, nachdem er ihm einigemal in trotzigem Tone
stillzuschweigen geboten hatte, durch derbe Schläge mit einem dicken Seile
beantwortete, wovon Sebaldus ganz betäubt auf das Strohlager niederfiel.
    Als er sich ein wenig erholte, sah er um sich eine Anzahl elender Schatten
ähnlicher Menschen, durch Hunger, Blöße, Schläge, Krankheit und Kummer ganz
ausgemergelt, von ihrem Strohlager aufkriechen. Neben ihm lag ein Mensch,
günstigen Ansehens, aber vom Fieber ganz abgezehrt, der ihm auf seine laute
Klagen mit matt aufgehobener Hand und schwacher Stimme hochdeutsch zusprach:
»Sei geduldig, Freund, denn es wartet dein noch mehr Elend; das meinige ist
hoffentlich bald zu Ende.«
    Sebaldus fiel wieder in schwermütiges Staunen, aus welchem er ungefähr nach
einer Stunde erweckt wurde, da man ihn holte, um vor dem Seelenverkäufer zu
erscheinen, der nicht längst aufgestanden war.
    Er fand diesen Mann in einem sauber aufgeputzten Seitenzimmer, mit Huysums
und Mignons Meisterstücken ausgeziert, das von dem Elende, womit im Keller
Menschen gequält wurden, sowenig Spur zeigte als das wohlbeleibte Ansehen des
harterzigen Besitzers. Dieser nahm mit zufriedner Gebärde sein Frühstück zu
sich, und vor ihm lagen Erbauungsbücher, aus denen er eben seine Morgenandacht
hergelesen hatte. Denn Bücher dieser Art sind dem Schurken und dem schwachen
ehrlichen Manne gleich behaglich. Der letztere zieht Trost im Unglücke und
Befestigung frommer Entschließungen aus ihnen; jener aber, der den Mangel
innerer Rechtschaffenheit durch äußere Religion ersetzen will und tägliche
Gottlosigkeit unstrafbar gemacht zu haben glaubt, wenn er sie morgens und abends
in vorgeschriebenen Gebeten bereuet, sucht die Unruhe seines Gewissens in der
Ruhe einer selbstgefälligen Andacht zu ersticken.
    Auch dieser Bube, der mit kalter Fühllosigkeit jeden Menschen im Elende
konnte schmachten sehen, ließ es dabei an keiner äußerlichen Religionsübung
mangeln. Er war in der gangbaren Landesteologie sehr bewandert und fand sogar
durch dieselbe eine Hintertür, alles Böse, was ihn zu tun gelüstete, mit seiner
phlegmatischen Gewissensruhe zu vereinigen; denn er hatte sich überzeugt, alles
sei absolut notwendig, er sei daher prädestiniert, die Moffen68 zu schinden, und
die Moffen seien prädestiniert, sich von ihm schinden zu lassen. Deshalb konnte
er mit ebender Gleichmütigkeit einen Moffen in seinen Keller stoßen sehen,
