, durch
deren Beobachtung die schöne Lili wenigstens den größten Teil des Übels, welches
ihr die Unglück-weissagenden Alten angekrähet hatten, zu verhüten fähig gewesen
wäre. Hätte diese liebenswürdige Dame meine Wenigkeit zu Rate ziehen können, so
würde ich mir die Freiheit genommen haben, ihr diese Antwort zu geben:
    Bei Auflösung aller Fragen, von welcher Art sie sein mögen, deucht mir die
natürlichste und einfältigste Methode gerade die beste. Diese Maxime gilt
vornehmlich, wenn von politischen Aufgaben die Rede ist, wo ganz unfehlbar die
verwickelten und weitläufigen Auflösungen noch unbrauchbarer sind als bei allen
andern. Die Frage ist: Was sollen wir tun, damit die äußerste Verfeinerung der
Künste, des Geschmacks, der Leidenschaften, der Sitten und der Lebensart, mit
Einem Worte, der Luxus, einer großen Nation so wenig als möglich schade? - Die
Natur, Madam, zeigt uns gegen jedes Übel, dem sie uns unterwürfig gemacht hat,
auch ein zulängliches Mittel. Sollte es in diesem Fall anders sein? Ich denke,
nein. Wenn wir den größten und nützlichsten, folglich den wichtigsten Teil der
Nation vor der Ansteckung bewahren können, so haben wir sehr viel, und in der
Tat alles getan, was man von einer weisen Regierung fodern kann. Zu gutem Glücke
ist nichts leichter. Der größte Teil der Nation von Scheschian ist derjenige,
der zum Ackerbau und zur Landwirtschaft bestimmt ist. Die Natur selbst, in deren
Schoss er lebt, erleichtert uns die Mühe unendlich; wir haben beinahe nichts zu
tun, als ihr nicht vorsetzlich entgegen zu arbeiten. Lassen Sie diese guten
Leute ihres Daseins froh werden. Geben Sie nicht zu, dass sich alle übrige Stände
unter unzähligen Vorwänden vereinigen, sie auszurauben und zu unterdrücken; dass
das unersättliche Geschlecht der Pachter und Einzieher der königlichen
Einkünfte, dass Beamte, Richter, Prokuratoren und Sachwalter, Edelleute, Bonzen
und Bettler, so unbescheiden und unbarmherzig an ihnen saugen, bis ihnen nur die
Haut auf den Knochen übrig bleibt. Lassen Sie dieser unentbehrlichsten und
unschuldigsten Klasse von Menschen so viel von den Früchten ihrer Arbeit, dass
sie mit frohem Mut arbeiten, dass sie Zeit zur Ruhe, Zeit zu ihren ländlichen
Festen und Ergetzungen übrig haben. Wenn allzu großer Überfluss auch diesem
Stande, wie allen übrigen, schädlich ist: so lassen Sie uns nicht vergessen, dass
zu wenige oder ungesunde Nahrung, dass Mangel an aller Gemächlichkeit, dass
Nacktheit, Kummer und Elend ihm ungleich verderblicher sind. Stimmen wir immer
die Glückseligkeit unsers Landvolkes um etliche Grade tiefer herab als die
Glückseligkeit der Kinder der Natur war; aber lassen wir ihnen so viel, dass es
ihnen, ohne alles natürliche Gefühl verloren zu haben, möglich sei mit ihrem
Zustande zufrieden zu sein. Unter
