 und glücklichsten Leute von der Welt sind. Das
alles war recht schön zu hören: aber deine Meinung ist doch nicht, dass die
Gesetzgebung des weisen Psammis für eine Nation, die aus Millionen Familien
besteht, brauchbar sein könnte?«
    »Ich danke Ihrer Majestät demütigst für die Gerechtigkeit, die Sie meiner
Vernunft angedeihen lassen«, erwiderte Danischmend. »Die Geschichte des Emirs
und der Kinder der Natur sollte in der Tat nur so viel dartun: dass es ganz
verschiedene Sachen seien, ein kleines von der übrigen Welt abgeschnittenes
Volk, und eine große Nation, welche in Verbindung mit zwanzig andern lebt,
glücklich zu machen. Zwar ist die Glückseligkeit bei dieser sowohl als bei jenem
das Resultat eines der Natur gemässen Lebens. Aber eben darum muss der Unterschied
in der Hauptsumme des Guten und Bösen verhältnisweise desto größer sein, je
weiter ein Volk von der Natur entfernt und je weniger ihm möglich ist, sich mit
den bloßen Naturgesetzen zu behelfen. Weder Psammis noch Konfucius, noch alle
zwölf Imans, die echten Nachfolger unsers Propheten, selbst, hätten eine
Gesetzgebung erfinden können, wodurch durch alle Angehörige eines großen Staats
so frei, ruhig, unschuldig und angenehm leben könnten als die so genannten
Kinder der Natur. Die Ursachen fallen in die Augen. Dieser Zusammenfluss von
besonderen Umständen, welche zu den notwendigen Bedingungen des Wohlstandes der
letztern gehören, lässt sich bei keinem großen Volke denken. Bei diesem sind
Freiheit und allgemeine Sicherheit unverträgliche Dinge; und die Gleichheit
bringt unzählige Kollisionen und Zwistigkeiten hervor, welche durch das Recht
der Stärke entschieden werden; der Stärkere unterwirft sich den Schwächern, der
Schlaue den Einfältigen, und so hört die Gleichheit auf. Eben so unmöglich ist
es, dass ein großes Volk die Vorteile der Künste, die das Leben verschönern und
angenehmer machen, genießen könnte, ohne auch die Übel zu erfahren, welche den
Missbrauch derselben begleiten. Ein sehr kleines Volk kann durch Gesinnungen und
Sitten in den Schranken der Mäßigung und des Mittelstandes erhalten werden,
woran seine Glückseligkeit gebunden ist. Aber ein großes Volk hat Leidenschaften
vonnöten, um in die starke und anhaltende Bewegung gesetzt zu werden, welche zu
seinem politischen Leben erfodert wird. Alles was der weiseste Gesetzgeber dabei
tun kann, ist, den Schaden zu verhüten, welchen das Übermaß oder der
unordentliche Lauf dieser Leidenschaften dem ganzen Staate zuziehen könnte.
Einzelne Glieder mögen immer das Opfer ihrer eigenen Torheit werden; das ist
ihre Sache. Der Gesetzgeber kann es nicht verhindern; denn dies müsste durch
Mittel geschehen, wodurch größere Übel veranlasst würden, um kleinere zu
verhüten. Aus diesen Betrachtungen halte ich eine Polizei, durch welche der
Luxus einer großen Nation ganz unschädlich werden sollte, für eine eben so große
Schimäre, als das Projekt des
