 legte,
sind die Grundsätze, nach welchen wir leben. Wir ziehen sie, so zu sagen, mit
der Milch unsrer Mütter ein, und durch Beispiel und Gewohnheit müssten sie uns
zur andern Natur werden, wenn sie auch an sich selbst der Natur nicht so ganz
gemäß wären als sie es sind. Kannst du dich nun noch länger wundern, dass ich in
einem Alter von achtzig Jahren fähig bin meinen Anteil an den Vergnügungen des
Lebens zu nehmen? dass mein Herz und meine Sinne noch jedem sanften Gefühl offen
stehen, meine Augen noch immer gern auf schönen Formen verweilen; und dass, wenn
auch die Natur meinem Alter Freuden versagt, die ich weder verachte noch
vermisse, ich zufrieden bin diejenigen zu genießen, welche sie mir gelassen hat;
kurz, dass der letzte Teil meines Lebens dem Abend einer schönen Nacht ähnlich
ist, und ich wenigstens in diesem Stücke dem Weisen gleiche, der (um den
Ausdruck unsers Gesetzgebers zu wiederholen) den Becher der reinen Wollust bis
auf den letzten Tropfen ausschlürft: und, ich schwöre bei diesem alles
beleuchtenden Auge der Natur, unsrer allgemeinen Mutter, dass ich mit dem letzten
Atemzuge, wenn ich anders noch die Kraft dazu habe, den letzten Tropfen davon
auf meinen Nagel sammeln und hinunter schlürfen will!
    Der alte Mann sagte dies mit einem so angenehm auflodernden Feuer, dass der
Emir darüber lächeln musste; aber es war zu viel Neid und Unmut unter dieses
Lächeln gemischt, als dass sein Gesicht in den Augen einer Tochter der Natur viel
dabei gewonnen hätte.
    Den übrigen Teil unsrer Gesetzgebung, fuhr der Alte fort, welcher unsre
Polizei betrifft, werde ich dir am besten durch eine Beschreibung unsrer
Lebensart und unsrer Sitten begreiflich machen. Unsre kleine Nation, welche
ungefähr aus fünfhundert Stammfamilien besteht, lebt in einer vollkommenen
Gleichheit; indem wir keines andern Unterschiedes bedürfen, als den die Natur
selbst, die das Mannigfaltige liebt, unter den Menschen macht. Die Liebe zu
unsrer Verfassung, und die Ehrerbietung gegen die Alten, welche wir als die
Bewahrer derselben ansehen, ist hinlänglich, Ordnung und Ruhe, die Früchte
übereinstimmender Grundsätze und Neigungen, unter uns zu erhalten. Wir
betrachten uns alle als eine einzige Familie, und die kleinen Misshelligkeiten,
die unter uns entstehen können, sind den Zänkereien der Verliebten oder einem
vorüber gehenden Zwiste zärtlicher Geschwister ähnlich. Unsre Festtage sind die
einzigen Gerichtstage, die wir kennen; unser ganzes Volk versammelt sich dann
vor dem Tempel der Huldgöttinnen, und unter ihren Augen werden von unsern
Ältesten alle Händel beigelegt, und alle gemeinschaftliche Abredungen genommen.
    Wir nähren und bekleiden uns von unsern eigenen Produkten, und das Wenige,
was uns abgeht, tauschen wir von den benachbarten Beduinen gegen unsern Überfluss
ein. Unsrer Jugend überlassen
