, und immer zur Freude aufgelegt zu erhalten.
Nicht aus Nachsicht gegen die Schwachheit der Natur erlaub ich, - nein, aus
Gehorsam gegen ihre Gesetze befehl ich euch, eure Sinne zu ergetzen. Ich habe
den betrüglichen Unterschied zwischen nützlich und angenehm aufgehoben: ihr
wisst, dass nichts den Namen eines Vergnügens verdient, was mit dem Schmerz
eines andern, oder mit später Reue bezahlt wird; und dass das Nützliche nur
nützlich ist, weil es uns vor Unlust bewahrt, oder eine Quelle von Vergnügen
ist. Ich habe den törichten Gegensatz der verschiedenen Arten der Lust
vernichtet, und eine ewige Eintracht zwischen ihnen hergestellt, indem ich euch
den natürlichen Anteil gelehrt habe, den das Herz an jeder sinnlichen Lust, und
die Sinne an jedem Vergnügen des Herzens nehmen. Ich habe eure Freuden vermehrt,
verfeinert, veredelt - Was kann ich noch mehr tun?
    Noch eines, und das wichtigste von allem. Lernet, meine Kinder, die leichte
Kunst, eure Glückseligkeit ins Unendliche zu vermehren; das einzige Geheimnis,
sie so nah als möglich der Wonne der Götter, und, wenn es erlaubt wäre so kühn
zu denken, der Wonne des Urhebers der Natur selbst zu nähern! -
    Erstrecket euer Wohlwollen auf die ganze Natur; liebt alles, was ihr
allgemeinstes Geschenk, das Dasein, mit euch teilt!
    Liebet einen jeden, in welchem ihr die ehrwürdigen Kennzeichen der
Menschheit erblickt, sollten es auch nur ihre Ruinen sein.
    Freuet euch mit jedem der sich freut; wischet die Tränen der Reue von den
Wangen der bestraften Torheit, und küsset aus den Augen der Unschuld die Tränen
des Mitleidens mit sich selbst.
    Vervielfachet euer Wesen, indem ihr euch gewöhnet in jedem Menschen das Bild
euerer eigenen Natur und in jedem guten Menschen ein andres Selbst zu lieben.
    Schmecket so oft ihr könnt das reine göttliche Vergnügen andre glücklicher
zu machen; - und du, Unglückseliger, dem von diesem bloßen Gedanken das Herz
nicht zu wallen anfängt, fliehe, fliehe auf ewig aus den Wohnungen der Kinder
der Natur!«
    Schach-Gebal war über der Sittenlehre des weisen Psammis unvermerkt so gut
eingeschlafen, dass die schöne Nurmahal für ratsam hielt, die Fortsetzung der
Geschichte des Emirs auf die künftige Nacht auszusetzen.
 
                                       5.
»Die Sittenlehre deines - wie heißt er? ist eine vortreffliche Sittenlehre«,
sagte der Sultan zu Danischmenden: »ich habe gut auf sie geschlafen! Aber jetzt
würdest du mir, weil ich noch keine Lust zu schlafen habe, einen Gefallen tun,
wenn du deine Erzählung ohne weitere Sittenlehre zu Ende bringen wolltest.«
    Danischmend antwortete wie es einem demütigen Sklaven zusteht, und setzte
seine Erzählung also fort.
    »Dieses, sagte der Alte, indem er seine Täfelchen wieder zusammen
