 Werken eurer
Hände und eures Geistes den Stempel der Natur, Einfalt und ungezwungene
Zierlichkeit, einzudrücken. Alles was euch in euren Wohnungen umgibt, stelle
euch ihre Schönheiten vor, und erinnere euch dass ihr ihre Kinder seid!
    Alle andere Werke der Natur scheinen nur spielende Versuche und Vorübungen,
wodurch sie sich zur Bildung ihres Meisterstücks, des Menschen, vorbereitet. In
ihm allein scheint sie alles, was sie diesseits des Himmels vermag, vereiniget,
an ihm allein mit Wärme und verliebt in ihr eigenes Werk gearbeitet zu haben.
Aber sie hat es in unserer Gewalt gelassen, es zu vollenden, oder zu verderben.
Warum tat sie das? Ich weiß nichts davon; aber nach dem was Sie getan hat,
müssen wir das bestimmen, was Wir zu tun haben. Jede harmonische Bewegung unsers
Körpers, jede sanfte Empfindung der Freude, der Liebe, der zärtlichen Sympatie
verschönert uns; jede allzu heftige oder unordentliche Bewegung, jede ungestüme
Leidenschaft, jede neidische und übeltätige Gesinnung verzerrt unsre
Gesichtszüge, vergiftet unsern Blick, würdiget die schöne menschliche Gestalt
zur sichtbaren Ähnlichkeit mit irgend einer Art von Vieh herab. So lange Güte
des Herzens und Fröhlichkeit die Seele eurer Bewegungen bleiben, werdet ihr die
schönsten unter den Menschenkindern sein.
    Das Ohr ist, nach dem Auge, der vollkommenste unsrer Sinne. Gewöhnet es an
kunstlose, aber seelenvolle Melodien, aus welchen schöne Gefühle atmen, die das
Herz in sanfte Bebungen setzen, oder die einschlummernde Seele in süße Träume
wiegen. Freude, Liebe, und Unschuld stimmen den Menschen in Harmonie mit sich
selbst, mit allen guten Menschen, mit der ganzen Natur. So lang euch diese
beseelen, wird jede eurer Bewegungen, der gewöhnliche Ton eurer Stimme, eure
Sprache selbst wird Musik sein.
    Psammis hat euch neue Quellen angenehmer Empfindungen mitgeteilt: durch ihn
genießt ihr, von der täglichen Arbeit ermüdet, einer wollüstigen Ruhe; durch
ihn ergetzen liebliche Früchte, in diesen fremden Boden verpflanzt, euren
Gaumen; durch ihn begeistert euch der Wein, zu höherer Fröhlichkeit, zu
offenherzigem Geschwätze und geistreichem Scherz, ohne welche dem geselligen
Gastmahle seine beste Würze fehlt. In der Liebe, die ihr nur unter der niedrigen
Gestalt des Bedürfnisses kanntet, hat er euch die Seele des Lebens, die Quelle
der schönsten Begeisterung und der reinsten Wollust des Herzens bekannt gemacht.
O meine Kinder! welche Lust, welches angenehme Gefühl sollt ich euch versagen?
Keines, gewiss keines das euch die Natur zugedacht hat! Ungleich den schwülstigen
Afterweisen, welche den Menschen zerstören wollen, um - eitles lächerliches
Bestreben! - einen Gott aus seinen Trümmern hervor zu ziehen! Ich empfehle euch
die Mäßigung; aber aus keinem andern Grunde, als weil sie unentbehrlich ist,
euch vor Schmerzen zu bewahren
