 sich liegen sah, die sich von der Morgenseite um das Haus herum zogen. Eine
reine, mit tausend erquickenden Düften erfrischte Luft zerstreute die düstern
Wolken, die noch um sein Gehirn hingen; er fühlte sich gestärkt; dieses Gefühl
fachte wieder einen Funken von Hoffnung in seinem Busen an, und mit der Hoffnung
kehrt die Liebe zum Leben zurück. Indem er diese Gärten betrachtete, und, seinem
verwöhnten Geschmack am Prächtigen und Erkünstelten zu Trotz, sich nicht
erwehren konnte, sie bei aller ihrer nützlichen Einfalt und anscheinenden
Wildheit schön zu finden, ward er den Alten gewahr, der, halb von Gesträuchen
bedeckt, sich mit kleinen Gärtnerarbeiten beschäftigte, welche der Emir nie
gewürdiget hatte, sich einen Begriff davon zu erwerben. Die Begierde, alles
Befremdende und Wunderbare, das er in diesem Hause gesehen, sich erklären zu
lassen, bewog ihn, in die Gärten hinab zu steigen, um sich mit dem Alten in ein
Gespräch einzulassen. Nachdem er ihm für seine leutselige Aufnahme gedankt
hatte, fing er an, ihm seine Verwunderung darüber zu bezeigen, dass ein Greis von
seinen Jahren noch so gerade, so geschäftig, so lebhaft und so fähig sein könne,
an den Vergnügungen des Lebens Anteil zu nehmen. Wenn deine silbernen Haare und
dein eisgrauer Bart nicht von einem hohen Alter zeugten, setzte er hinzu, so
müsste man dich für einen Mann von vierzig halten. Ich bitte dich, erkläre mir
dieses Rätsel. Was für ein Geheimnis besitzest du, welches solche Wunder wirken
kann?
    Ich kann dir mein Geheimnis mit drei Worten sagen, erwiderte der Alte
lächelnd: Arbeit, Vergnügen und Ruhe, jedes in kleinem Masse, zu gleichen Teilen
vermischt, und nach dem Winke der Natur abgewechselt, wirken dieses Wunder, wie
du es zu nennen beliebst, auf die begreiflichste Weise von der Welt. Eine nicht
unangenehme Mattigkeit ist der Wink, den uns die Natur gibt, unsre Arbeit mit
Ergetzungen zu unterbrechen, und ein ähnlicher Wink erinnert uns von beiden
auszuruhen. Die Arbeit unterhält den Geschmack an den Vergnügungen der Natur,
und das Vermögen sie zu genießen; und nur derjenige, für den ihre reinen
untadelhaften Wollüste allen Reiz verloren haben, ist unglücklich genug, bei
erkünstelten eine Befriedigung zu suchen, welche sie ihm nie gewähren werden.
Lerne an mir, werter Fremdling, wie glücklich der Gehorsam gegen die Natur macht
. Sie belohnt uns dafür mit dem Genuss ihrer besten Gaben. Mein ganzes Leben ist
eine lange, selten unterbrochne Kette von angenehmen Augenblicken gewesen; denn
die Arbeit selbst, eine unsern Kräften angemessene und von keinen verbitternden
Umständen begleitete Arbeit, ist mit einer Art von sanfter Wollust verbunden,
deren wohltätige Einflüsse sich über unser ganzes Wesen verbreiten. Aber um
durch die Natur
