 war sehr ungleich, sagt der Dichter;
die guten Ombiten waren wohl bezecht, rosenbekränzt, von Salben triefend, und
vom Tanzen müde; ihre Feinde hingegen desto erbitterter, weil sie nüchtern waren
(hinc jejunum odium). Der Anfang der Feindseligkeiten wurde mit Worten gemacht;
von den Worten kam es bald zu den Fäusten; auf beiden Seiten blieben wenig Nasen
unbeschädigt usw. »Aber dies« (fährt der Dichter fort) »deucht den Unsinnigen
nur ein Spiel; sie wollen nicht nur Blut, sie wollen Leichen sehen. Man wirft
also eine Zeit lang mit Steinen auf einander; endlich ziehen die Tentyriten ihre
Schwerter. Die Ombiten fliehen in zitternder Verwirrung; die Furcht beflügelt
ihre Flucht; nur Einer hat das Unglück den erbosten Feinden in die Hände zu
fallen; dieser Unglückselige wird sofort in Stücke zerrissen und mit Haut und
Haar bis auf die Knochen aufgegessen. Sie nehmen sich nicht einmal die Zeit ihn
zu kochen, sie fressen ihn mit hungriger Gierigkeit roh hinein, und wer
glücklich genug ist ein Stückchen von diesem abscheulichen Frass zu erwischen,
glaubt niemals was Wohlschmeckenderes gekostet zu haben.« - - Ob übrigens dieser
Religionskrieg der Ombiten und Tentyriten von jenem zwischen den Kynopoliten und
Oxyrynchiten verschieden gewesen, oder ob nicht Juvenal vielmehr den letztern
unter dem Namen der ersteren, weil sie besser in den Vers passen, geschildert
habe, wie Salmasius aus sehr gelehrten Gründen vermutet (in Solin. T.I.p.
317-21), ist eine Aufgabe, die wir primo occupanti überlassen, wofern sie anders
ihren Meister nicht schon gefunden hat.
                                                 Anmerk. des latein. Übersetzers
32 Wiewohl unstreitig etwas Wahres an diesem Gedanken des Philosophen
Danischmend ist, so bleibt darum auf der andern Seite nicht weniger wahr, dass
die Geschichte, mit beobachtenden Augen durchforscht, und mit philosophischem
Blick aus erhabenen Standpunkten übersehen, eine Quelle sehr nützlicher
Kenntnisse für den Bürger, für den Staatsmann, und selbst für den bloßen
Weltbeschauer ist. Ein gelassner und aufgeklärter Geist sieht durch das
verworrene Gewebe der menschlichen Torheiten hindurch, und entdeckt in dem
Zusammenhang und in der stufenweisen Entwicklung der großen Weltbegebenheiten
den festen Plan einer alles leitenden höheren Weisheit; er ergetzt, ermuntert,
und bessert sich bei dem Anblick des immer währenden Kampfes der Tugend mit dem
Laster, der Vernunft mit den Leidenschaften, der Wahrheit mit dem Irrtum und
Betrug, der Wissenschaften mit der Unwissenheit, des Geschmacks mit der
Barbarei, und erkennt mit Anbetung die verborgene Hand des großen Urhebers der
Natur, der aus diesem ewigen Streit in den Teilen, Ordnung und Harmonie im
Ganzen hervorzubringen weiß. Die Geschichte des menschlichen Verstandes, die
Geschichte der Tugend, die Geschichte der Religion, der Gesetzgebung, der Künste
, der Handelschaft, des
