
Ansehen und einen Einfluss verschafte, dessen sich in der Folge - wenn die
Sitten nach und nach schlaffer geworden sein, und die Gesetze also einen Teil
der Kraft, die sie von jenen erhalten, verloren haben würden - ehrgeizige und
heuchlerische Menschen bedienen würden, selbstsüchtige Plane zum Nachteil des
Staats durchzusetzen. Aus einer ähnlichen Ursache hatte er, wiewohl anfangs eine
gänzliche Umschaffung der scheschianischen Landesverfassung zu seiner großen
Absicht nötig schien, den erblichen Adel als eine besondere Klasse von
Staatsbürgern beibehalten, und ihn nicht nur im Besitz eines Teils seiner
ehmaligen Vorzüge gelassen, sondern ihn noch durch das ausschliessliche Recht an
die obersten Staats- und Kriegsbedienungen so hoch über alle übrige Klassen
erhoben, dass es kaum begreiflich ist, wie Tifan die künftigen Folgen einer so
auffallenden Ungleichheit sich selbst habe verbergen können. Was auch immer über
diesen Punkt zu seiner Rechtfertigung oder Entschuldigung gesagt werden könnte,
gewiss ist, dass dies einer der größten Fehler seiner Gesetzgebung war, und
vielleicht mehr als alle übrige zum Untergang derselben beitrug. Denn wie konnte
er erwarten, dass ein Volk, das durch eben diese Staatseinrichtung zu der
höchsten Stufe der Ausbildung, deren die Menschheit fähig scheint, gelangen
musste, ein so unbilliges Vorrecht einer verhältnismäßig kleinen Anzahl in die
Länge dulden, oder dass diejenigen, die im Besitz desselben waren, sich dessen
gutwillig begeben würden?
    Endlich ist nicht zu leugnen, dass Tifan, wiewohl es sein ernstlicher Wille
war, sich selbst und seinen Nachfolgern die Freiheit Böses zu tun so viel
möglich zu entziehen, dennoch durch Betrachtungen, an welchen sein Herz mehr
Anteil hatte als seine Vorsicht, sich verleiten ließ, den Königen von Scheschian
eine größere Macht einzuräumen, als mit der Sicherheit seiner Gesetzgebung, von
welcher doch die Sicherheit seines Volkes abhing, in die Länge bestehen konnte.«
    »Wie meinst du das, Freund Danischmend?« fragte Schach-Gebal mit einem
bedenklichen Zucken der Augenbraunen.
    »Ich will damit so viel sagen: Als Tifan sich und seinen Tronfolgern das
Vermögen auch willkürlich viel Gutes zu tun nicht entziehen wollte, und diesem
zu Folge der Krone ein unabhängiges jährliches Einkommen von zehen Millionen
Unzen Silbers zueignete, worüber der König nach seinem Belieben schalten konnte;
so geschah es unstreitig aus dem löblichsten Bewegungsgrund, und konnte, so
lange sein Geist auf seine Nachfolger forterbte, dem Staate nicht anders als
erspriesslich sein. Nur scheint er vergessen zu haben, dass eine große
willkürliche Macht Gutes zu tun ihrem Besitzer notwendiger Weise auch eine eben
so große Macht Böses zu tun erteilt; und dass also alle Könige nach ihm lauter
Tifane gewesen sein müssten, wenn dieser Teil seiner Anordnungen nicht zu
verderblichen Missbräuchen Anlass und Mittel hätte geben sollen.«
    »Was du da sagst, Itimadulet, gilt wohl von
