 dies ist, unter
uns gesagt, das einzige, was mich an deiner Geschichte von Scheschian noch
interessieren kann. Richte dich also darauf ein, Itimadulet, wenn ich dich
wieder rufen lasse, meine Neugier hierüber zu befriedigen.«
 
                                      16.
»Es ist ein trauriges Los aller guten Dinge in der Welt«, fing Danischmend an,
als er nach einigen Tagen wieder an das Bette Seiner Hoheit gerufen wurde, »dass
sie unter den Händen der Menschen nicht lange unbeschädigt und unverdorben
bleiben können. Leider gilt dies von Gesetzgebungen, Staatsverfassungen und
Regierungen ganz vorzüglich. Wie vollkommen auch die gesetzmässige Verfassung
eines Staats sein mag, bei der Vollziehung kommt alles auf die Beschaffenheit
der Menschen an, in deren Händen die Gewalt ist, welche der Staat dem Fürsten,
und der Fürst wieder teilweise denen, die ihm regieren helfen sollen,
anzuvertrauen genötigt ist. Wie angelegen ließ sich's nicht der guten Tifan
sein, seiner Gesetzgebung eben dadurch die Krone der Vollkommenheit aufzusetzen,
dass er ihr die möglichste Dauerhaftigkeit zu geben suchte! Eben darum, weil er
einsah, wie sehr alles auf die sittliche Beschaffenheit der Regierten sowohl als
der Regierenden ankommt, machte er die moralische Bildung der Scheschianer zum
Hauptzweck seiner Erziehungsanstalten, und die Erhaltung der Sitten in der
möglichsten Lauterkeit zum Augenmerk aller seiner Verordnungen. Aber eben darum,
weil es unmöglich ist unter einem großen Volke die Sitten lange unverdorben zu
erhalten, konnt er mit aller seiner Vorsicht mehr nicht bewirken, als dass es mit
der sittlichen Verderbnis seines Volkes langsamer zuging, und also der Zeitpunkt
des politischen Todes, welchem sich jeder Staat mit immer zunehmender
Geschwindigkeit nähert, von dem seinigen etwas weiter entfernt wurde, als es
ohne seine Vorkehrungen geschehen wäre.
    Ohne Zweifel liegt diese Tendenz zum schlechter werden so tief in der
menschlichen Natur, dass ihre Wirkung durch keine menschliche Veranstaltung
gänzlich aufgehoben werden kann. Auf diesen Punkt scheint der gute Tifan zu
wenig Rücksicht genommen, und überhaupt den Menschen, die er (ohne sich dessen
vielleicht bewusst zu sein) zu viel nach seinem eigenen Herzen beurteilte, bei
aller seiner Vorsicht, noch immer mehr Gutes zugetraut zu haben, als er mit
Recht erwarten konnte: und dieser Umstand ist vielleicht allein der Grund, warum
einige seiner Gesetze den Keim ihrer Verderbnis bereits in sich trugen, und die
Entwicklung desselben unvermerkt beförderten. So hatte er, zum Beispiel, in der
besten Absicht von der Welt die scheschianische Priesterschaft, um sie zu
veredeln und dem Staate nützlich zu machen, zu öffentlichen Lehrern des
Gesetzbuches bestellt, und zu diesem Endzweck alle nur ersinnliche Sorge
getragen, sie zu vortrefflichen Menschen und guten Bürgern zu bilden. Aber, was
er nicht vorher gesehen hatte, war, dass er gerade dadurch diesem Stand ein
