 dem nämlichen
Augenblick aufhören, dieses dem Vaterlande geweihte Leben, wo ich unglücklich
genug wäre, dem Geringsten meines Volkes einen unverschuldeten Seufzer
auszupressen!«
    »Danischmend«, rief Schach-Gebal, »ich habe für diese Nacht genug! Deine
Leute sprechen nicht übel; aber bei dem allen deucht mir, ich wollte lieber
hören, was Tifan getan als was er gesprochen hat.«
    »Sire«, erwiderte Danischmend, »wer so spricht wie Tifan, macht sich
anheischig sehr viel zu tun.«
    »Das wollen wir sehen«, sagte der Sultan.
 
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»Nach allem, was ich von dem Könige Tifan schon gemeldet habe«, fuhr Danischmend
fort, »kann man sich für berechtiget halten, große Taten von ihm zu erwarten.
Gleichwohl muss ich gestehen (und es ist wohl am besten ich tu es gleich
anfangs), dass, wenn Tifan ein großer Fürst war, er es in einem ganz andern Sinn
und auf eine ganz andre Weise war, als die Sesostris, die Alexander, die Cäsar,
die Omar, die Mahmud Gasni, die Dschingis-Kan, und andre Helden und Eroberer,
unter deren Größe die Welt gleichsam eingesunken ist. Tifans Größe war stille
Größe, und seine Taten den Taten der Gottheit ähnlich, welche, geräuschlos und
unsichtbar, uns mit den Wirkungen überrascht, ohne dass wir die Kraft, welche sie
hervorbringt, gewahr werden.
    Tifans Taten hatten noch eine andre Eigenschaft mit den Verrichtungen der
Natur gemein. Sie entwickelten sich so langsam, sie durchliefen so viele kleine
Stufen, und erreichten den Punkt ihrer Reife durch eine so unmerkliche
Verbindung unzähliger auf Einen Hauptzweck zusammen arbeitender Mittel, dass man
ein schärferes Auge als gewöhnlich haben musste, um den Geist, der alles dies
anordnete und lenkte, und die Hand, welche allem die erste Bewegung gab, nicht
zu misskennen. Eine kurzsichtige Aufmerksamkeit hätte geglaubt, dass sich alles
von selbst mache, oder würde wenigstens nicht wahrgenommen haben, wie viel Mühe
es kostete, den Bewegungen eines großen Staats so viele Leichtigkeit und eine so
schöne Harmonie zu geben.
    Das erste, wozu sich Tifan anheischig gemacht hatte, war eine genauere
Bestimmung der Staatsverfassung.«
    »Gut«, rief Schach-Gebal, »dies ist gerade wo ich ihn erwarte. Ich erinnere
mich dessen noch ganz wohl, was du ihn gestern davon sagen ließest. Er will sich
der Macht nicht berauben, die einem Vater über seine Kinder zusteht - aber er
will so wenig als möglich ist Freiheit haben Böses zu tun. Noch verstehe ich
nicht recht, was er will oder nicht will. Ich begreife nicht, wie ein Fürst
unabhängig sein, und Freiheit haben kann alles Gute zu tun was er
