 Unruhen in Scheschian
aus. Dschengis, welcher Gelegenheit gefunden hatte, mit einem zuverlässigen
alten Freunde das vertraute Verständnis ihrer jüngeren Jahre wieder zu erneuern,
erhielt von ihm durch geheime Wege die genaueste Nachricht von allem was
vorging. Er teilte sie wieder mit dem jungen Tifan, der vor Ungeduld brannte,
die gemisshandelten Scheschianer an ihren Tyrannen gerochen zu sehen; und nun
glaubte der Alte, dass es Zeit sei einen neuen Schritt zu tun, um den Prinzen zur
Mitteilung seines großen Geheimnisses vorzubereiten. Er entdeckte ihm also, dass
er selbst aus einem edelen Geschlechte in Scheschian abstamme; dass er ehmals
öffentliche Würden am Hofe des Königs Azor bekleidet habe, und ein Vertrauter
des einzigen Bruders dieses Fürsten gewesen sei, aber bald nach dem Tode des
letztern, weniger um seiner persönlichen Sicherheit willen, als aus gänzlicher
Überzeugung von seiner Unnützlichkeit unter der neuen Regierung, sich in dieses
Gebirge zurück gezogen habe, um in ungestörter Ruhe der Erziehung seines
geliebten Tifan sich widmen zu können.
    Aber nun (rief Tifan mit aller der Wärme, worein ihn diese Entdeckung
gesetzt hatte) was säumen wir, unser Blut einem Vaterlande anzubieten, welches
in den letzten Zügen liegt, und alle seine Kinder um Hilfe, oder, wenn Hilfe zu
spät kommt, wenigstens um Rache anruft?
    Dschengis hatte einige Mühe dem Prinzen begreiflich zu machen, dass
Rechtschaffenheit eben sowohl als Klugheit ihnen nicht eher gestatten könne,
eine Partei zu ergreifen, bis auf eine zuverlässige Art entschieden sei, auf
welcher Seite sich das stärkste Recht befinde. Isfandiar, sagte er, hat wie ein
Tyrann regiert; aber sein Erbrecht an die Krone ist unstreitig und unverletzlich
. Die Nation ist schuldig ihn für ihren König zu erkennen. Es ist wahr, sie hat
Rechte, welche eben so heilig sind als die seinigen; und sie ist so wenig
verbunden alles zu leiden, als er berechtigt ist alles zu tun. Aber vielleicht
geht Isfandiar in sich; vielleicht gibt er billigen Vorschlägen Gehör, und
vielleicht ist mehr Erbitterung, Rachsucht und Eigennutz als wahre
Vaterlandsliebe in den Bewegungsgründen der Häupter der Empörung. Die Zeit muss
uns hierüber Licht geben. Sobald Pflicht und Ehre uns auf die eine oder auf die
andere Seite rufen werden, dann wollen wir gehen.
    Der junge Tifan sah einer entscheidenden Nachricht mit Ungeduld entgegen.
Aber die Zwischenzeit wurde nicht ungenützt vorbei gelassen. Dschengis, der sich
in seiner Jugend den Ruhm eines guten Offiziers erworben hatte, las unter den
Gespielen seines Pflegesohns einige der stärksten und gewandtesten aus, um sie
nebst Tifan in allen Arten von kriegerischen Übungen zu unterweisen. Er
vermehrte sie mit einer Anzahl auserlesener junger Tatarn, welche er durch
Geschenke und Hoffnungen in seine Dienste zog. Tifan tat sich bald unter dieser
mutvollen Jugend hervor
