 der Lebensart eben so eifrig zu verhindern bemüht ist.
    Aber (wendete Tifan ein) wenn die Menschen desto mehr zur Verderbnis geneigt
werden, je zahlreicher sie sind, wie kann die möglichste Bevölkerung des Staats
unter die Mittel gegen die Verderbnis gehören?
    Nicht die Menge der Bürger an sich selbst (erwiderte Dschengis), sondern die
allzu große Verwicklung ihrer Interessen, der häufige und starke Zusammenstoß
ihrer Forderungen, die verhältniswidrige Ungleichheit unter den Ständen sowohl,
als unter den Gliedern des nämlichen Standes, und die übermäßige Bevölkerung
einer einzigen Hauptstadt und Provinz auf Unkosten der übrigen - sind die
Ursachen dieser allzu großen Gärung, welche den Staat zur Fäulnis geneigt macht.
Ein zahlreicher Adel von mittelmässigem Vermögen ist einem großen Reiche eben so
nützlich, als ihm der unmässige Reichtum einiger wenigen und die Armut der
meisten übrigen schädlich ist. Eben so zieht der Staat viel mehr Vorteile davon,
wenn ein Vermögen von zehn Millionen unter hundert Handelsleute verteilt, als
wenn es in den Händen eines einzigen ist; und eine Million arbeitsamer Leute,
welche Mühe haben das Notwendige zu erwerben, sind dem gemeinen Wesen nützlicher
als hunderttausend, welche im Überflusse leben. In einem großen und von der
Natur reichlich begabten Staate, wie Scheschian zum Beispiel ist, können, wenn
er wohl organisiert ist, schwerlich zu viel Menschen sein. Alles kommt darauf
an, sie gehörig zu verteilen, und durch Unterhaltung eines Kreislaufs, der jedem
Teile seine erforderliche Nahrung zuführt, zu verhindern, dass kein Teil auf
Unkosten der übrigen zu einer verhältniswidrigen Größe anschwelle.
    Unter tausend solchen Gesprächen, welche, so nützlich sie für den jungen
Tifan waren, Seiner Hoheit nicht anders als lange Weile machen könnten« - »Weiß
der Himmel!« rief der Sultan gähnend - »kamen Tifan und Dschengis in Scheschian
an, wo nach dem Entwurfe des weisen Alten ihre Wanderungen sich endigen sollten.
Die unglücklichen Folgen der tyrannischen Regierung Isfandiars hatten damals
eben ihre höchste Stufe erreicht. Tifan, so viel Missbräuche, so viel Torheit, so
viel Ungerechtigkeit er auch in andern Ländern gesehen hatte, konnte sich kaum
aus der Bestürzung erholen, in welche ihn der elende Zustand von Scheschian
setzte. Sein Begleiter versäumte nichts, ihm den ausführlichsten und
vollständigsten Begriff davon zu verschaffen. Er führte ihn von Provinz zu
Provinz; er zeigte ihm den gegenwärtigen Verfall; er machte ihm begreiflich, in
welchem blühenden Zustande sich jede, nach Verhältnis ihrer natürlichen
Beschaffenheit, Lage und Beziehung auf die übrigen, unter einer weisen
Staatsverwaltung hätte befinden können; und entwickelte den Zusammenhang der
Ursachen, welche dieses große Reich in allen seinen Teilen zu Grunde gerichtet
hatten. Bei dieser Gelegenheit erzählte er ihm die wichtigsten Veränderungen,
welche es seit einigen Jahrhunderten erlitten hatte, schilderte den Geist der
verschiedenen
