 hängt von den Umständen
ab, in welche er beim Eintritt in die Welt versetzt wurde, und von den
Eindrücken, die sein wächsernes Gehirn in der ersten Jugend empfing. Bleibt er
sich selbst überlassen, so wachsen seine Neigungen in wilder Üppigkeit mit ihm
auf, und seine edelsten Kräfte bleiben unentwickelt. Lebt er in Gesellschaft, so
nimmt er unvermerkt die Sprache, die Manieren, die Sitten, die Meinungen, das
Interesse und den Geist der besonderen Gesellschaft an, die ihn umgibt; und so
verbreitet sich das Gift der physischen und sittlichen Verderbnis, wenn es
einmal den Zugang in diese Gesellschaft gefunden hat, unvermerkt durch die ganze
Masse aus. Der Mensch wird gut oder schlimm, aufrichtig oder falsch, sanft oder
ungestüm, blödsinnig oder witzig, träg oder tätig, je nachdem es diejenigen
sind, von welchen er sich immer umgeben sieht. Und wiewohl keiner ist, der nicht
etwas von der besonderen Anlage zu einem eigentümlichen Charakter, womit ihn die
Natur gestempelt hat, beibehielte; so dient doch dies in großen Gesellschaften
meistens nur die Anzahl der übel gebildeten und grotesken sittlichen Formen zu
vermehren. Je größer diese Gesellschaften und je größer die Menge der kleineren
ist, aus welchen sie, wie die Zirkel in dem Weltsystem unsrer Sternseher,
zusammen gesetzt sind, je mehr diese verschiedenen kleinen Kreise einander
drücken und pressen, je häufiger die Leidenschaften, Vorteile und Ansprüche in
diesem allgemeinen Gewimmel an einander stoßen; desto mehr geht von der
ursprünglichen Gestalt des Menschen verloren. Eine sehr kleine und von der
übrigen Welt abgeschnittene Gesellschaft erhält sich ohne Mühe bei der
angeborenen Einfalt und Güte der Natur. Hingegen ist es eine schlechterdings
unmögliche Sache, dass etliche Millionen, welche zusammen in Einem Staate von
mäßiger Größe, oder etliche hunderttausend, welche in Eine Stadt zusammen
gedrängt leben, einander nicht in ziemlich kurzer Zeit sehr verderben sollten,
wofern der Gesetzgeber nicht ganz besondere Sorge getragen hat, dem Übel des
Zusammenstosses der Interessen, und dem noch größeren Übel der sittlichen
Ansteckung durch weise Einrichtungen zuvorzukommen.
    Und wie könnte dies geschehen? fragte Tifan.
    Durch eine sehr einfache Veranstaltung, antwortete Dschengis. Es geschieht,
indem man verhindert, dass die Hauptstadt eines ganzen Reiches zu keiner
übermäßigen Größe anwächst; indem man die Stände, deren Unterschied aus der
Natur der bürgerlichen Gesellschaft entspringt, wohl von einander absondert, und
dafür sorget, dass jeder Ursache habe, mit dem seinigen zufrieden genug zu sein,
um zu den höheren ohne Neid hinauf zu sehen; indem man allen Ursachen einer allzu
großen Ungleichheit zuvorzukommen oder doch zu wehren sucht; und, was das
wichtigste ist, indem man die Vermehrung der Einwohner auf alle nur ersinnliche
Weise zu befördern, hingegen Müßiggang, Üppigkeit und allzu große Verfeinerung
des Geschmacks und
