, waren Räuber oder herum streichende Bonzen. -
Eben so widersinnig gehen sie mit den Gesetzen um, von welchen sie zu glauben
vorgeben, dass ohne sie keine Ordnung, keine Sittlichkeit, kein besonderer noch
allgemeiner Wohlstand möglich sei. In allen Staaten, die wir gesehen haben,
fanden wir die kleinere Zahl einzig bemüht, die Gesetze zu durchbrechen, und die
größere, unbemerkt unter ihnen wegzuschlüpfen. Die Religion, hörten wir sagen,
ist das Ehrwürdigste, das Beste, was der Himmel den Sterblichen geben konnte:
aber mir deucht, sie spielen mit ihrer Religion, wie sie mit ihren Gesetzen
spielen. Unter allen diesen unzählbaren Braminen und Bonzen, wovon wir die
Länder um den Indus und Ganges wimmeln sahen, mögen wohl einige sehr ehrwürdige
Personen sein; aber die meisten widerlegen ihre Lehren so augenscheinlich durch
ihre Handlungen, dass man keine andre Wahl hat, als sie entweder für wissentliche
Betrüger, oder für Unsinnige zu halten, die das Gift selbst verschlucken, vor
welchem sie andre warnen.
    Von welcher Seite ich die Menschen ansehe, finde ich sie in Widerspruch mit
sich selbst; und immer machen sie von dem, wodurch sie besser und glücklicher
werden könnten, einen so ungeschickten oder unbescheidenen Gebrauch, dass es in
ihren Händen ein Werkzeug ihres Elendes wird. Sie stellen sich als ob sie die
sinnlichen Wollüste verachteten, und überfüllen sich damit so oft sie nur
können. Die Tugend, sagen sie, ist des Menschen höchstes Gut; und bei jeder
Gelegenheit verkaufen sie ihr höchstes Gut um - verächtlichen Gewinst, oder um
einen angenehmen Augenblick. Sie haben sich ihrer Sicherheit wegen in große
Gesellschaften vereiniget; und verlieren in ihnen unvermerkt alles das was sie
in Sicherheitbringen wollten. Sie schmeicheln sich, die Herren der übrigen
Geschöpfe zu sein; alle Elemente sind uns dienstbar, sagen sie, die Welt ist
unser: und unter jeder Million dieser Herren der Welt sind wenigstens neunmal
hunderttausend, welche ihren Anteil an diesem prächtigen Titel um den Zustand
der Elefanten des Königs von Siam gern vertauschen würden.
    Was soll man von einer so seltsamen Gattung von Geschöpfen denken? Liegt
ihre Ähnlichkeit mit den unschuldigen und gutartigen Menschen, unter welchen ich
aufgewachsen bin, nur in der äußerlichen Gestalt? Oder wie war es möglich von
ihrer ursprünglichen Natur so sehr abzuarten? Was nützen ihnen alle ihre
vermeinten Verbesserungen des natürlichen Zustandes, ihre Gesetze, ihre Polizei,
ihre Künste, wenn sie nur desto unglücklicher sind, je mehr sie Mittel zum
glücklichen Leben haben?
    Der Mensch, antwortete Dschengis, kommt unvollendet, aber mit einer Anlage
zu bewundernswürdigen Vollkommenheiten aus den Händen der Natur. Die nämliche
Bildsamkeit macht ihn gleich fähig, sich die Form eines Gottes - oder die
Missgestalt eines Ungeheuers aufdrucken zu lassen. Alles
