 Belieben an der
Unterhaltung, die ihm die scheschianische Geschichte gab, dass er die Zeit, die
dazu ausgesetzt war, diesmal gegen seine Gewohnheit beschleunigte, weil er
neugierig war zu hören, wie Danischmend es anfangen würde, um aus dem jungen
Tifan einen so großen König zu machen als er versprochen hatte. Danischmend fuhr
also in seiner Erzählung fort, wie folgt.
    »Der junge Tifan hatte auf seiner zweijährigen Reise viel gelernt; denn er
kannte nun die Menschen wie sie sind; und die Festigkeit, zu welcher, ehe sich
Dschengis mit ihm in die Welt hinaus wagte, seine aus der Natur eingesogenen
Grundsätze gelanget waren, sicherte seinen Kopf und sein Herz gegen alle die
schädlichen Eindrücke, welche gewöhnlich die Folgen des Kontrastes zwischen dem
was ist, und dem was sein sollte, in jungen Gemütern zu sein pflegen. Er
überzeugte sich bis zum innigsten Gefühl, dass die Menschen unrecht hätten, so zu
sein wie sie sind.
    Wenn man ihnen, sagte er zu seinem Mentor, den Vorzug der Vernunft vor den
übrigen Tieren nicht absprechen kann, so muss man doch gestehen, dass sie sich
derselben so schlecht bedienen, dass es beinahe besser für sie wäre, dieses
gefährlichen Vorzuges gar zu ermangeln. Denn welches Tier ist nicht in seiner
Art weniger elend als der Mensch? Sie sind weise in Kleinigkeiten, und Toren in
Sachen wovon das Glück ihres Lebens abhängt; sinnreich, wo es darum zu tun ist
sich selbst zu hintergehen, und blöde genug sich von andern mit offenen Augen
betrügen zu lassen. Sie könnten frei sein, sind geboren es zu sein, beweisen
sich's selbst, dass Freiheit eine unentbehrliche Bedingung zur Glückseligkeit und
Vollkommenheit vernünftiger Wesen sei; und sind bei allem dem Sklaven, sind es
so sehr, dass sogar unter zwanzig unumschränkten Sultanen kaum Einer sich
erwehren kann, der Knecht seiner Weiber, oder desjenigen der ihm seine Weiber
hütet, oder irgend eines andern noch verächtlichern Geschöpfes zu sein.«
    »Wohl beobachtet, Tifan!« rief der Sultan Gebal, weil ihm in diesem
Augenblick ein paar Sultanen einfielen, die das Unglück hatten, sich in diesem
Falle zu befinden, und weil Seine Hoheit über dem Vergnügen, in eben diesem
Augenblick über allen solchen Schwachheiten empor zu schwimmen, Sich nicht
erinnerte, wie oft in Seinem Leben dies auch Sein eigener Fall gewesen war.
    »Die Freiheit (fuhr Tifan fort), womit sich die Menschen so viel wissen, ist
so wenig für sie gemacht, dass sie, sobald sie Mittel finden, sich ihrer zu
bemächtigen, ein so kostbares Gut zu nichts zu gebrauchen wissen, als sich
selbst und andern Schaden damit zu tun. Die einzigen freien Menschen, die wir
auf unsrer Reise gesehen haben
