 großen Teil von Asien.
Er lernte die Natur unter tausend neuen Gestalten kennen, und erstaunte über die
mannigfaltigen Wunder, wodurch die Kunst sie nachzuahmen, ja selbst zu
übertreffen und zu verbessern sucht. Aber er erstaunte noch mehr, wie er sah,
dass der elende Zustand der Völker durchgehens desto größer war, je mehr Natur
und Kunst sich zu vereinigen schienen sie glücklich zu machen. Die schönsten und
fruchtbarsten Provinzen waren immer diejenigen, in welchen das Volk auf die
unbarmherzigste Weise unterdrückt wurde. Tifan sah mit Entsetzen Könige, welche
das Vermögen ihrer Untertanen wie einen dem Feind abgejagten Raub in den
ungeheuersten Ausschweifungen der Üppigkeit verprassten; Könige, welche das
kostbare Blut der Menschen in mutwilligen Kriegen verschwendeten, und sechs
blühende Provinzen zu Einöden verwüsteten, um die siebente zu erobern, deren
Behauptung es ihnen unmöglich machte, ihren Völkern die Vorteile des Friedens
jemals auf zehn Jahre zu versichern. Er sah Könige, welche, aus tiefer
Untüchtigkeit zu allen ihren Pflichten, die Verwaltung des Staats Kebsweibern
und Günstlingen überlassen mussten, und, während dass sie ihr unrühmliches Leben
in Müßiggang und sinnlichen Wollüsten verträumten, sich nicht schämten, von
hungrigen oder raubgierigen Schmeichlern mit den besten unter den Fürsten, ja
mit der Gottheit selbst sich vergleichen zu lassen. Er sah kleine Rajas, die
ihre Untertanen und sich selbst zu Bettlern machten, um sich eine Zeit lang,
unter dem allgemeinen Naserümpfen der Welt, das lächerliche Ansehen zu geben,
mit den größten Monarchen Asiens in die Wette geschimmert zu haben. Er sah einen
sehr guten, sehr liebenswürdigen Fürsten das Unglück seiner Staaten bloß dadurch
vollkommen machen, weil ihm sein böser Genius ein allgemeines Misstrauen gegen
alles was ihn umgab, eingeflößt hatte. Kurz, er lernte die Sultanen, Visire,
Omras, Mandarinen, Mollas, Derwischen und Bonzen seiner Zeit kennen, und
verwunderte sich nun nicht mehr, warum er den größten Teil von Asien in einem
Verfall sah, welcher einen baldigen allgemeinen Umsturz ankündigte. Bei allem
dem machte er tausend nützliche Beobachtungen, und hier und da, oft unter einem
unscheinbaren Dache, die Bekanntschaft eines weisen und rechtschaffenen Mannes,
oder eines unbekannten und unbenützten Talents. Dschengis ließ keine Gelegenheit
vorbei, wo er ihn die Anwendung seiner Grundsätze zu machen lehren konnte. Er
führte ihn allenthalben von den äußerlichen Zufällen auf die Quelle des Übels,
und zeigte ihm, wie vergebens man jenen abzuhelfen sucht, so lange diese nicht
verstopft ist, oder - welches der Fall vieler Staaten ist - nicht verstopft
werden kann. Er zeigte ihm durch Beispiele, welche desto lehrreicher sein mussten
weil sie unmittelbar unter ihren Augen lagen, dass nichts einfacher sei als die
Kunst weislich zu regieren, und dass es weniger Mühe koste, ein Volk geradezu
glücklich zu machen
