 Geistes in dem innern System unsrer
Seele eben das ist und sein soll, was die Sonne in dem großen Kreise der
Schöpfung, der uns umgibt; - dass sie es sein soll, die der Seele Licht und Wärme
gibt, um jede Tugend, jede Vollkommenheit hervor zu treiben und zur Reife zu
bringen. Jener süße Zug der Sympatie, der uns geneigt macht, uns mit andern
Geschöpfen zu erfreuen oder zu betrüben, wird nun etwas ganz anderes als ein
bloßer animalischer Trieb. Allgemeine Güte, zärtliche Teilnehmung an den
Schicksalen der Wesen unsrer Gattung, sorgfältige Vermeidung alles
Zusammenstosses, wodurch wir ihre Ruhe, ihren Wohlstand verletzen würden,
lebhafte Bestrebung ihr Bestes zu befördern und mit dem unsrigen zu vereinigen;
alles dies, in dem Lichte betrachtet, welches die Idee der Gottheit über uns
verbreitet, sind Gesetze des allmächtigen und wohltätigen Beherrschers aller
Welten; Gesetze, von deren Verbindlichkeit uns nichts los zählen kann; Gesetze,
von deren Befolgung die Erfüllung des ganzen Endzwecks unsers Daseins abhängt.
    So waren die Begriffe von Religion beschaffen, welche der weise Dschengis in
der Seele des jungen Tifan entwickelte, und solchen Begriffen entsprach der
Unterricht, den er ihm von dem Dienste des höchsten Wesens gab. Dankbarer Genuss
seiner Wohltaten, und aufrichtiger Gehorsam gegen seine Gesetze, sagte
Dschengis, sind der einzige wahre Dienst, den wir einem Wesen leisten können,
das unser bloß in so fern bedarf, in so fern es uns zu Werkzeugen seiner großen
wohltätigen Absichten erschaffen hat.«
    »Bewundern Sie nicht auch die mannigfaltigen Gaben unsres Freundes
Danischmend?« sagte Schach-Gebal zu der schönen Nurmahal. »Ich sehe dass er im
Notfall einen so guten Iman abgeben könnte, als vielleicht jemals einer am Hofe
eines Sultans gewesen ist. Aber für heute lass es immer genug sein, Danischmend;
und das nächste Mal, wenn von deinem Tifan wieder die Rede sein wird, erinnre
dich, dass du mir einen Gefallen erweisen würdest, so bald als möglich auf die
Hauptsache zu kommen.«
 
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»So viel ich mich von allem, was du uns mit deiner gewöhnlichen, Weitläuftigkeit
von der Erziehung des jungen Tifan erzählt hast, erinnern kann« (sagte
Schach-Gebal, als Danischmend sich zu gewöhnlicher Zeit anschickte seine
Erzählung fortzusetzen), »so mag unter den Händen des ehrlichen Dschengis eine
ganz gute Art von Jungen aus ihm geworden sein; aber noch sehe ich, mit deiner
Erlaubnis, nicht, wie er dadurch der große König werden konnte, den du uns
erwarten gemacht hast.«
    »Sire«, versetzte Danischmend, »alles warum ich Ihre Hoheit bitte, ist noch
ein wenig Geduld zu haben, und ich bin überzeugt, es wird Ihnen in wenig Tagen
kein Zweifel über
